Adonisröschenblüte: In Mallnow im Oderbruchtal

26. März 2012
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Ado­nis­blü­te in Mallnow/ Oder­bruch

Seit Jah­ren neh­me ich mir vor, end­lich die Ado­nis­rös­chen­blü­te im Oder­bruch­tal anzu­schau­en. Im Ber­li­ner Regio­nal-Radio war am Wochen­en­de zu hören, dass sich vie­le Men­schen dort­hin schon auf den Weg gemacht haben. Bevor die Blü­ten­pracht der rela­tiv kurz­blü­hen­den Ado­nis­rös­chen (Ado­nis ver­na­lis) auch die­ses Jahr vor­bei ist, fah­re ich am Mon­tag los. Denn ich will mir den Wochen­en­drum­mel erspa­ren. Ich bin gespannt und neh­me eine frü­he Regio­nal­bahn vom Ber­li­ner Haupt­bahn­hof nach Frankfurt/Oder.

Nach Ankunft um 9.26 Uhr in Frank­furt schließt sich um 9.44 Uhr vom glei­chen Gleis die Fahrt mit der Ost­deut­schen Eisen­bahn OE60 an, die wäh­rend der Ado­nis­blü­ten­zeit vom 17.03 — 03.06.12 alle Stun­de Extra­hal­te in Schön­fließ Dorf macht. Nach zehn minü­ti­ger Fahrt bin ich schon da. Im her­un­ter­ge­kom­men Bahn­hof­häus­chen arbei­ten noch Bahn­an­ge­stell­te, im Gegen­satz zu vie­len ande­ren völ­lig still­ge­leg­ten Sta­tio­nen. Des­halb ist der klei­ne Ort nicht völ­lig ver­waist. Vor dem Bahn­hof steht pro­mi­nent ein Hin­weis­schild auf die Mall­now-Ado­nis­blü­ten-Tour, offen­sicht­lich ist das eine Früh­jahrs­at­trak­ti­on. Tat­säch­lich ist die gan­ze Stre­cke sehr gut aus­ge­schil­dert, so dass nie­mand etwas falsch machen kann. Nach der Über­que­rung einer stark befah­re­nen Haupt­stra­ße geht es gleich in eine Stich­stra­ße, die direkt nach Mall­now führt. Es soll auch einen Bus geben, aber wegen der strah­len­den Son­ne bei völ­li­ger Wind­stil­le, beschlie­ße ich die zwei Kilo­me­ter zu Fuss zu gehen — schließ­lich freue ich mich, end­lich mal wie­der auf dem Land zu sein.

Bodenverdichtung mit schweren Treckern

Boden­ver­dich­tung mit schwe­ren Tre­ckern

Doch die Freu­de wird gleich getrübt. Auf der rech­ten Sei­te der Mall­now-Zubrin­ger­stra­ße wur­de eine gro­ße Indus­trie­an­la­ge von “WINGAS” erbaut. Auf einem Schild steht erklä­rend: Ver­dich­tungs­an­la­ge. So ist hier an der Gren­ze zu Polen fern­ab von Allem und sicher­lich ohne Wider­stand aus dem dünn bevöl­ker­ten Land­strich eine Ver­dich­tungs­an­la­ge ent­stan­den. Die qual­men­den Schorn­stei­ne hin­ter mir las­send, gehe ich wei­ter. Die klei­ne Stra­ße ist viel­be­fah­ren. Autos brau­sen mit hun­dert Sachen an mir vor­bei, außer­dem noch kom­men hoch­räd­ri­ge, schwer­ge­wich­ti­ge Tre­cker daher. Des­halb will sich so gar kei­ne Land­lust bei mir ein­stel­len. Wenn die Autos mal nicht fah­ren, gibt es klei­ne Erho­lungs­pau­sen. Dann kann ich mich an dem Ler­chen­ge­sang freu­en. Gleich meh­re­re Ler­chen schrau­ben sich in den blau­en Him­mel und haben offen­sicht­lich einen Sän­ger­wett­streit ent­facht. Beim schnel­len Gehen — ich will die Stra­ße hin­ter mich brin­gen — fällt mir in der wind­stil­len Luft noch ein fei­ner, aber unan­ge­neh­mer Geruch auf. Ich brau­che eine Wei­le, bis ich dar­auf kom­me: Gül­le. Das ist der Gestank von über­dünk­ten Fel­dern. Nun ist mein Wohl­wol­len gänz­lich dahin. War­um, fra­ge ich mich, stel­le ich mir eigent­lich das Land­le­ben immer noch idyl­lisch vor? Schon lan­ge weiss ich, dass in der inten­siv betrie­be­nen Land­wirt­schaft Deutsch­lands kein Platz ist für roman­ti­sie­ren­des Land­le­ben. Die­ses gibt es nur noch in der Wer­bung. Auf den Milch­pa­ckun­gen haben Milch­kü­he immer noch Hör­ner und ste­hen auf grü­nen Wie­sen. Dabei ste­hen die hoch­ge­züch­te­ten Kühe nur im Stall, denn mit ihren Rie­seneu­tern kön­nen sie gar nicht mehr rich­tig lau­fen, schon gar nicht auf Wie­sen. Ein Tre­cker zieht neben mir auf einem Feld gigan­ti­schen Aus­ma­ßes sei­ne Run­den. Hin­ter sich zieht er schwe­re Wal­zen, ver­dich­tet den Boden und wir­belt bei der Tro­cken­heit jede Men­ge Staub auf.

Mallnow: Ein Blick in eine Dorfstraße

Mall­now: Ein Blick in eine Dorf­stra­ße

Ich bin dann froh, end­lich in Mall­now anzu­kom­men. Nach­dem die Zubrin­ger­stra­ße hin­ter mir liegt, wird es ruhig. Das Dörf­chen liegt etwas ver­schla­fen im Son­nen­schein. Weil die Natur noch nicht so rich­tig erwacht ist, sieht alles noch ein biss­chen öde aus. Aller­dings weiss ich nicht, ob hier im Som­mer so viel blüht. Die Gär­ten, die die Häu­ser umfas­sen, sind mono­ton ange­legt. Ich habe kei­nen ein­zi­gen Nutz­gar­ten gese­hen, und auch die Gar­ten­ge­stal­tung kommt meis­tens ohne Blu­men aus (aller­dings sind die Sträu­cher öster­lich mit bun­ten Eiern geschmückt). In den meis­ten Gär­ten gibt es nur Rasen und Koni­fe­ren zu sehen. Wahr­schein­lich hat die Land­be­völ­ke­rung kei­ne Zeit und auch kein Geld? Ich beschlie­ße end­lich die blö­den, idea­li­sie­ren­den und ver­nied­li­chen­den Vor­stel­lun­gen à la “Land­Lust” und Kon­sor­ten aus mei­nem Kopf zu ver­ban­nen!

Blick über das Oderbruchtal

Blick über das Oder­bruch­tal

Auch im Dorf ist alles gut aus­ge­schil­dert, ein Ver­lau­fen ist unmög­lich. Am Ende gibt es einen Park­platz und dann fängt das Natur­schutz­ge­biet an. Mall­now liegt an den Hän­gen des Oder­brucht­als, wes­halb sich gleich zu Beginn ein Blick in die Tie­fen des Oder­tals eröff­net. Sehr schön! In einem Wäld­chen sin­gen meh­re­re Sta­re und Spat­zen um die Wet­te und — was höre ich in der Fer­ne? Das Trom­pe­ten von Kra­ni­chen! Dann muss es in die­ser stark bewirt­schaf­te­ten Regi­on noch Refu­gi­en geben, denn Kra­ni­che (Kra­nich-Repor­ta­ge) sind scheue Vögel.

Adonisröschen mögen Südhänge und Sonne

Ado­nis­rös­chen mögen Süd­hän­ge und Son­ne

Zauberhafte Adonisröschen

Zau­ber­haf­te Ado­nis­rös­chen

Zwei Rund­we­ge wer­den aus­ge­zeich­net ein “gro­ßer” und ein klei­ner. Ich fol­ge dem gro­ßen Rund­weg. Der Weg schlän­gelt über Stock und Stein, die Vögel mar­kie­ren laut­stark ihr Revier und sind auf Braut­schau. Dann geht es die Hän­ge hin­un­ter. Dort sehe ich die ers­ten Ado­nis­rös­chen blit­zen. Sie sind die aller­ers­ten Farb­tup­fer in dem noch grau­brau­nen Gras. Doch beim genau­en Hin­se­hen sind sie wun­der­schön, die gel­be Far­be über­strahlt rich­tig. Die Ado­nis­rös­chen mögen mage­ren Sand­bo­den. Auf meh­re­ren, run­den End­mo­rä­nen-Hügeln ste­hen sie in gro­ßer Zahl auf der Süd­sei­te der Hän­ge.

Veilchen (Viola odorata)

Veil­chen (Vio­la odo­ra­ta)

Dazwi­schen blitzt es blau — Veil­chen (Vio­la odo­ra­ta) sind als wei­te­re Früh­lings­bo­ten zu sehen. Der Rund­weg führt wei­ter und schließt zum klei­nen Rund­weg auf. Das gan­ze Gebiet ist rela­tiv über­sicht­lich und klein. Über­all gibt es Schil­der, die etwas über die beson­de­re Boden­be­schaf­fen­heit der End­mo­rä­nen­land­schaft berich­ten. Auch, dass die Tro­cken­hän­ge sehr beson­ders sind. Wegen ihrer Wär­me und Tro­cken­heit zie­hen sie beson­de­re Pflan­zen und Tie­re an. Im Som­mer soll sogar manch­mal der sehr sel­te­ne Wie­de­hopf zu sehen sein.

Überblick über die Adonisröschen-Trockenhänge

Über­blick über die Ado­nis­rös­chen-Tro­cken­hän­ge

Von der Anhö­he des klei­nen Rund­wegs eröff­net sich ein Über­blick über das gan­ze Ado­nis­rös­chen-Tro­cken­hang-Gebiet. Es ist nicht groß. Wenn ich mir vor­stel­le, dass am Wochen­en­de hun­der­te von Leu­ten hier rum­stap­fen, dann könn­te bald nichts mehr übrig blei­ben von die­sen sel­te­nen Tro­cken­hän­gen mit ihren sel­te­nen Bewoh­nern.

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