Rote Sporn­blu­me: Beru­hi­gend wie Baldrian

Rote Spornblume
Rote Sporn­blu­me

Die Rote Sporn­blu­me (Cen­tran­thus ruber) habe ich im Heil­pflan­zen­gar­ten in Mann­heim ken­nen­ge­lernt. Sie stammt aus der Mit­tel­meer-Regi­on oder ist in den hei­ßen Län­dern Klein­asi­ens zuhau­se. Bei uns kommt sie nicht so häu­fig vor. Wegen ihres attrak­ti­ven Aus­se­hens wur­de sie in euro­päi­schen Län­dern zu einer belieb­ten Gar­ten­pflan­ze umgezüchtet.

Sie gehört zur Fami­lie der Bal­dri­an­ge­wäch­se, was auch tat­säch­lich an der Wuchs­form zu sehen ist. Nur dass die Blü­ten dun­kel­rot sind und nicht weiss-rosa wie beim Bal­dri­an. Die Blü­te­zeit ist von April bis Okto­ber. Arz­nei­lich wer­den in den Her­kunfts­län­dern die Wur­zeln ver­wen­det. Sie wer­den in der Ruhe­pha­se geern­tet, gewa­schen und getrocknet.

Rote Sporn­blu­me als Arznei

Im Jahr 1954 berich­tet die ärzt­li­che Fach­zeit­schrift “Kli­ni­sche Wochen­schrift”, dass das renom­mier­te Heil­pflan­zen­un­ter­neh­men Mad­aus & Co., Köln am Rhein eine neu­es Kom­bi­na­ti­ons­arz­nei­mit­tel namen “Biral” auf den Markt gebracht habe, das stan­dar­di­sier­te Gesamt­wirk­stof­fe von Cory­da­lis cava, Cen­tran­thus ruber, Vale­ria­na, Pas­si­flora und Ave­na sati­va zur Behand­lung von “ner­vö­ser Übererreg­bar­keit” ent­hal­te.
Quel­le: Heu­b­ner W, Otto G: Neue Spe­zia­li­tä­ten. Kli­ni­sche Wochen­schrift. 1954 Mar 1; 82(9/10):230–231.
In den Fol­ge­jahr­zehn­ten wur­de die Rezep­tur ver­än­dert (nur noch Bal­dri­an und Pas­si­ons­blu­me), schließ­lich ver­schwand das Kom­­bi-Heil­pflan­­zen­­mi­t­­tel vom deut­schen Markt.

Rote Sporn­blu­me

In den Her­kunfts­län­dern steht sie häu­fig unter Natur­schutz und darf nicht mehr genutzt wer­den, weil sie sel­ten gewor­den ist. Sie mag Mau­er- und Fels­spal­ten und wächst auf Schutt­plät­zen. Ihre Wur­zeln ent­hal­ten beru­hi­gen­de, krampf­lö­sen­de Wir­kun­gen und wer­den auch bei Ner­ven­schmer­zen ein­ge­setzt [1]. Die Wur­zeln wer­den tra­di­tio­nell ent­we­der als Abko­chung oder in Tink­tu­ren verarbeitet.

Sporn­blu­me, Rote
Cen­tran­thus ruber
Wuchs: Buschig; ver­zweigt; 50 –70 cm hoch.
Blatt: Schmal eiför­mig bis lan­zett­lich; ganz­ran­dig; spitz; blaugrün.
Blü­te: Juni–August; rosa­rot; Trugdolden.
Frucht: Scho­ten.
Stand­ort: Son­nig; gut durch­läs­si­ge Böden.
Vermehrung/Pflege: Die Rote Sporn­blu­me wird durch Aus­saat im Früh­jahr (am Bes­ten mit Vor­an­zucht) oder durch Tei­lung des Wur­zel­sto­ckes im Herbst ver­mehrt. Die Stau­den benö­ti­gen einen End­ab­stand von etwa 40 × 40 cm.
Ern­te: Wäh­rend des gan­zen Som­mers kön­nen fri­sche Blät­ter geern­tet werden.
Ver­wen­dung: Fri­sche Blät­ter der Roten Sporn­blu­men zäh­len zu den Salatkräutern.
Hin­weis: Die Rote Sporn­blu­me wur­de ursprüng­lich als Zier­pflan­ze bei uns eingeführt.
Die phar­ma­zeu­ti­sche Indus­trie ver­wen­det heu­te Wur­zeln der Pflan­ze zur Iso­lie­rung von Val­epo­tria­ten, die aus­glei­chend bei Ner­vo­si­tät und Span­nungs­zu­stän­den wirken.
zitiert nach: Boh­ne B: Taschen­at­las Küchen­kräu­ter — 131 Pflan­zen­por­träts. Ulmer, Stutt­gart, 2008 (bei Ama­zon kau­fen).

Autorin
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 3.10.2017.
Bild­nach­weis
• Mari­on Kaden (mk), Berlin.
Quel­le
[1] Heil­pflan­zen. Erken­nen, sam­meln und anwen­den. Neu­er Kai­ser Ver­lag, Frän­­kisch- Chrum­bach 2013 (bei Ama­zon kau­fen).
wei­te­re Infos
Heil­pflan­zen­gar­ten im Lui­sen­park, Mannheim
Bal­dri­an: Wohl­fühl­bad aus Wurzel-Sud


Bal­dri­an (Vale­ria­na offi­ci­na­lis)

Die­se Pflan­ze aus der Fami­lie der Geiß­blatt­ge­wäch­se bevor­zugt feuch­te­re Stand­or­te am Wald- und Weges­rand, an Fluss­ufern und auf Wie­sen. Sie wird bis zu 1,50 Meter hoch und blüht von Juni bis August in Trug­dol­den. Die Knos­pen sind rosa, die Blü­ten spä­ter eher weiß. Die Pflan­ze steht sehr auf­recht und hat einen kan­ti­gen, hoh­len Stän­gel, die Wur­zel ist ein kräf­ti­ges Rhi­zom. Man fin­det Bal­dri­an in Euro­pa, Asi­en, Afri­ka und Ame­ri­ka. Sein Geruch ist für uns nicht sehr erfreu­lich, Kat­zen lie­ben ihn heiß und innig.

Ver­wen­de­te Pflan­zen­tei­le: Wur­zel

Wis­sens­wer­tes: Die Heil­kraft des Bal­dri­an war bereits in der Anti­ke weit­hin bekannt. Man sprach ihm einst zu, von Tuber­ku­lo­se bis zu Seu­chen und von Lie­bes­zau­ber bis zur Dämo­nen­ab­wehr ein­setz­bar zu sein. Der bota­ni­sche Name Vale­ria­na kommt von lat. vale­re (kräf­tig sein). In der Volks­heil­kun­de kommt Bal­dri­an auch bei Epi­lep­sie und Hys­te­rie zum Einsatz.

Haupt­ein­satz­ge­biet: Wenn wir trotz Erschöp­fung nicht schla­fen kön­nen; bei einer Kom­bi­na­ti­on von ner­vös beding­ten Ein­schlaf­pro­ble­men und Magen-Darm-Pro­ble­men oder ner­vös beding­ten Herz­pro­ble­men, vor allem wenn Erschöp­fungs­zu­stän­de dazu­kom­men, außer­dem bei leich­ten Angst­zu­stän­den. Bal­dri­an wird häu­fig mit ande­ren Pflan­zen kombiniert.

Wir­kung auf die Psy­che: Bal­dri­an wirkt aus­glei­chend und hilft uns, Erleb­tes zu ver­ar­bei­ten. Er ist für Men­schen, die dazu nei­gen, den Boden unter den Füßen zu ver­lie­ren, und die aus der Gedan­ken­müh­le nicht her­aus­kom­men. Er macht nicht müde, son­dern beru­higt das Ner­ven­sys­tem und bringt von innen her­aus die Ruhe in unser Leben, die wir zum Schla­fen brau­chen. Er hilft Men­schen, die zu vie­len Ein­drü­cken aus­ge­setzt sind, wie­der in ihre Mit­te zu kom­men, inner­lich ruhi­ger zu wer­den und so unser Selbst­ver­trau­en auf siche­re Füße zu stellen.

Kör­per­li­che Wir­kung: Bal­dri­an ent­spannt und ent­krampft die Mus­ku­la­tur, was bei inne­rer Anspan­nung zusätz­lich hilf­reich ist.

Neben­wir­kung: kei­ne bekannt

Kon­tra­in­di­ka­ti­on: Schwan­ger­schaft

Dar­rei­chungs­for­men: Tink­tur, Tee, Fer­tig­arz­nei­en, Frischpflanzenpresssaft

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