Cannabis: Cannabishaltiges Fertigarzneimittel erstmals auf dem Markt

10. Juli 2011
Cannabis (Cannabis sativa)

Can­na­bis (Can­na­bis sati­va)

Can­na­bis (Can­na­bis sati­va) oder Hanf ist vie­len nur als Haschisch oder Mari­hua­na bekannt. Nach wie vor ist die Rechts­la­ge bezüg­lich des Han­delns oder Besit­zens von Hanf zu Rausch­zwe­cken klar: Es ist wei­ter­hin ver­bo­ten und straf­bar. Damit nun das ers­te can­na­bis­hal­ti­ge Fer­tig­arz­nei­mit­tel über­haupt in Deutsch­land durch Apo­the­ker ver­trie­ben wer­den kann, wur­de im März 2011 eine Ände­rung des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes durch das Bun­des­ka­bi­nett beschlos­sen. Die Ände­run­gen sind nach­zu­le­sen in der 25. Bun­des­be­täu­bungs­mit­telän­de­rungs­ver­ord­nung. Ab dem 01.07.2011 gibt es ein Can­na­bis-hal­ti­ges Fer­tig­arz­nei­mit­tel für Pati­en­ten mit Mul­ti­pler-Skle­ro­se (MS) auf dem Markt. Die MS-Pati­en­ten wer­den froh über dar­über sein, denn ab sofort haben sie ein hoch­wirk­sa­mes Mit­tel zur Schmerz­be­kämp­fung zur Ver­fü­gung.

Das Medi­ka­ment SATIVEX ist ein Antis­pas­ti­kum. Es ent­hält die the­ra­peu­tisch wirk­sa­men Can­na­bi­noi­de Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol und Can­na­b­idion. Das Medi­ka­ment ist zuge­las­sen als Zusatz­be­hand­lung der mit­tel­schwe­ren bis schwe­ren Spas­tik von Mul­ti­ple-Skle­ro­se-Pati­en­ten.

PRO: Schon lan­ge setz­ten sich Pati­en­ten ver­schie­de­ner Erkran­kun­gen für die Lega­li­sie­rung von Can­na­bis zu Heil­zwe­cken ein. Ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler hat­ten 1999 eine umfang­rei­che Arbeit zusam­men gestellt, in der die medi­zi­ni­schen Nut­zen von Hanf deut­lich wur­den. Die Autoren sahen es damals als mög­li­cher­wei­se sinn­voll an, den Nut­zen von Can­na­bi­noi­den wei­ter zu unter­su­chen:

  • in der Schmerz­be­hand­lung,
  • bei che­mo­the­ra­pie­in­du­zier­ter Übel­keit,
  • bei Man­gel­er­näh­rung,
  • der Aus­zeh­rung bei Aids und Krebs
  • zur Ver­rin­ge­rung von Mus­kel-Dau­er­ver­kramp­fun­gen („Spas­tik“).

Immer­hin ist nach über zehn Jah­ren Letz­te­res umge­setzt — viel­leicht fol­gen noch wei­te­re Medi­ka­men­te für ande­re Indi­ka­tio­nen?

Wün­schens­wert wäre dies. Denn Can­na­bis ist auch eins: Eine uralte Heil­pflan­ze. Sie wur­de jedoch wegen des Dro­gen­miss­brauchs durch Can­na­bis-Rau­cher in den 70iger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts welt­weit “ver­teu­felt”. Letzt­lich kam es zu einem Ver­bot, dass auch wei­ter­hin auf­recht erhal­ten wird (Aus­führ­li­cher Bericht).

KONTRA: Das “arz­nei­mit­tel-tele­gramm” hat in sei­ner Aus­ga­be 7/11 (42.Jahrgang, 8.Juli2011) das Medi­ka­ment kri­tisch bespro­chen:

Die Autoren wis­sen zu berich­ten, dass 12 Pro­zent der Pati­en­ten die Behand­lung wegen uner­wünsch­ter Neben­wir­kun­gen abbre­chen. So kann es bei­spiels­wei­se zu psy­chi­schen Neben­wir­kun­gen wie Benom­men­heit, Des­ori­en­tiert­heit, Auf­merk­sam­keits- oder Gleich­ge­wichts­stö­run­gen kom­men. Hal­lu­zi­na­tio­nen sol­len bei 11 Pro­zent der Pati­en­ten auf­tre­ten, Selbst­mord­ge­dan­ken bei 3 Pro­zent. In die Kri­titk gerät das Medi­ka­ment eben­falls wegen der Erhö­hung der monat­li­chen Behand­lungs­kos­ten auf das 32-fache.

Die Autoren resü­mie­ren, dass das Medi­ka­ment wegen der hohen Kos­ten und der psy­chi­schen Stö­run­gen nicht emp­foh­len wer­den kann. Sie ver­wei­sen dar­auf, dass der Nut­zen des Medi­ka­ments auf jene Pati­en­ten beschränkt ist, “die gleich zu Beginn der Behand­lung “anspre­chen”. Das trifft weni­ger als die Häl­fe der Behan­del­ten”.

FAZIT: Trotz der ver­nich­ten­den Kri­tik der Fach­au­toren: Den Pati­en­ten bleibt letzt­lich die Ent­schei­dung über­las­sen, ob sie sich für das Medi­ka­ment ent­schei­den oder nicht. Mög­li­cher­wei­se wird der star­ke Lei­dens­druck vie­le ver­an­las­sen, es zunächst zu ver­su­chen.

 

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