Gärten der Welt: Berlin Hellersdorf-Marzahn

19. Mai 2015
Gärten der Welt - Chinesicher Garten

Gär­ten der Welt — Chi­ne­si­scher Gar­ten

Die “Gär­ten der Welt” in Ber­lin Hel­lers­dorf-Mar­zahn sind unbe­dingt eine Rei­se wert — denn nicht nur die zen­tra­len Stadt­tei­le Ber­lins haben etwas zu bie­ten. Mar­zahn mit sei­nen Hoch­häu­sern und bezahl­ba­ren Woh­nun­gen hat längst sein schlech­tes Image abge­legt. Nach der Wen­de wur­de ein schon vor­han­de­ner Nah­erho­lungs­park, der rela­tiv klein und über­schau­bar war, erwei­tert.

Pagode am See

Pago­de am See

Der Chi­ne­si­sche Gar­ten war einer der ers­ten Gär­ten asia­ti­schen Stils, der auf dem dor­ti­gen Gelän­de geschaf­fen wur­de. Er trägt den Namen “Gar­ten des wie­der­ge­won­ne­nen Mon­des”. Bei­jing, als Part­ner­stadt Ber­lins, liess ihn von chi­ne­si­schen Fach­kräf­ten gestal­ten und anle­gen. Als Sino­lo­gin kann ich nur sagen: In die­sem Are­al fühlt es sich genau­so an wie in den Chi­na! Rei­se­fie­ber hat mich wie­der gepackt. Aller­dings ist die­ser Gar­ten beschau­lich. Das sind die Ori­gi­na­le in Chi­na nicht, denn dort suchen immer so vie­le Chi­ne­sen Erho­lung, dass es nie zu einer ech­ten Erho­lung kommt. Im Gar­ten des Wie­der­ge­won­ne­nen Mon­des, des­sen Namens­ge­bung auf die Wie­der­ver­ei­ni­gung der Stadt Bezug nimmt, schon.

Chinesischer Pavillion mit chinesischem Flieder

Chi­ne­si­scher Pavil­li­on mit chi­ne­si­schem Flie­der

Ein grö­ße­rer See ist Zen­trum des chi­ne­si­schen Gar­tens. Er ist mit Abstand der Größ­te der nach­fol­gend ange­leg­ten wei­te­ren asia­ti­schen Gär­ten (Japa­ni­scher und Korea­ni­scher Gar­ten). Ein Rund­weg um den See, an dem sich vie­le unter­schied­li­che, attrak­ti­ve Nischen mit Stein­stüh­len und -Tischen, lau­schi­gen Ecken mit chi­ne­si­schen Stei­nen und Zei­chen, einem schö­nen Tee­haus, ein klei­nes Restau­rant oder Stein­brü­cken über ver­schie­de­ne See­ar­me anschlie­ßen. Natür­lich feh­len auch nicht diver­se Stein­pa­go­den oder Sitz­ge­le­gen­hei­ten, um z.B. einen rau­schen­den Was­ser­fall zu betrach­ten — doch, das Gan­ze hat mich sehr an Chi­na erin­nert. Dadurch, dass der Gar­ten nun schon fast 20 Jah­re alt ist, sind die Bäu­me, Büsche und Blu­men­stau­den hoch und schön gewach­sen.

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Japa­ni­scher Gar­ten

Der Japa­ni­sche Gar­ten ist wesent­lich klei­ner gehal­ten. Er ist von hohen Hecken umfasst. Beim Ein­gang durch ein Holz­haus und des­sen höl­zer­nem Tor ent­steht Ruhe — ein ein­drück­lich gewoll­ter Aspekt. Denn der “Gar­ten des zusam­men­flie­ßen­den Was­sers” wur­de vom japa­ni­schen Zen-Pries­ter Shun­myo Masu­no geschaf­fen. Der Gar­ten hat drei unter­schied­li­che Berei­che, die durch einen Rund­weg mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Trockensteingarten

Tro­ckenstein­gar­ten

Nach dem Ein­tritt in den Gar­ten schlän­gelt sich ein Stein­plat­ten-Weg mit ein­zel­nen Stei­nen eine klei­ne Anhö­he hin­auf. Oben ist eine höl­zer­ne Ruhe­platt­form, die ein­lädt, den Ursprung der Was­ser­quel­le, die von dort aus spru­delnd den gesam­ten Gar­ten durch­fließt, zu bewun­dern. Die Ele­men­te Was­ser, Stei­ne, Holz ange­legt in “natür­li­cher” Wei­se, ent­spre­chend der Phi­lo­so­phie des Zen, las­sen einen schnell ruhi­ger wer­den. Ein wei­te­rer Ort der Samm­lung gewährt der Cha­ya-Pavil­li­on mit Zen-bud­dis­ti­schen Ele­men­ten. Der “stei­ner­ne” Tro­cken­land­schafts­gar­ten — der jeden Tag sorg­fäl­tig geharkt wird — ist Zen­trum des japa­ni­schen Gar­tens und eben­falls ein Ort der Kon­tem­pla­ti­on. Ruhe­su­chen­de soll­ten sich mög­lichst mor­gens und in der Woche ein­fin­den. Am Wochen­den­de bei­spiels­wei­se sind die Gär­ten so belebt, dass die fried­li­che Stim­mung gera­de die­ses Gar­tens emp­find­lich gestört wird, und Besin­nung unmög­lich ist.

Koreanischer Garten

Korea­ni­scher Gar­ten

Jeder asia­ti­sche Gar­ten ist anders — hat eine ande­re Stim­mung und Anmu­tung. Der Süd­ko­rea­ni­sche Gar­ten ist wie­der­um von einer Lehm­stein­mau­er umfasst. Auch hier geht es durch ver­schie­de­ne höl­zer­ne Türen und Trep­pen. Der Seouler Gar­ten wur­de nach dem Vor­bild des “Hau­ses der Ein­sa­men Freun­de” gebaut, des­sen Ori­gi­nal in Süd­ko­rea ein natio­na­les Denk­mal sein soll. Eon Jeok Lee (1491–1553), ein Gelehr­ter, liess das Haus in Korea 1516 erbau­en, nach­dem er sich aus dem poli­ti­schen Leben zurück­ge­zo­gen hat­te, um sich fort­an den Leh­ren Kon­fu­zi­us (500 Jh. vor Chris­tus) zu wid­men.

Besondere Skulpturen

Beson­de­re Skulp­tu­ren

Wie bei allen asia­ti­schen Gär­ten fin­den sich die Ele­men­te Was­ser, Erde, Holz, (Feu­er) wie­der. Das nach­ge­bau­te Anwe­sen hat einen Außen­hof, einen “Hof der Fei­er­lich­kei­ten”, einen Hof am Pavil­li­on. Das Anwe­sen hat einen rau­schen­den Bach, der von einer Anhö­he hin­ab in einen ruhig aus­lau­fen­den Teich fließt. Ein Wäld­chen, hohe Bam­bus­hai­ne oder gro­ße blü­hen­de Rho­de­dend­ren sor­gen für eine schö­ne Umrah­mung des Anwe­sens. Selt­sa­me Holz- oder Stein­fi­gu­ren begrü­ßen die Besu­cher und beglei­ten sie auf ihre Wegen.

Anwesen mit ruhigem See

Anwe­sen mit ruhi­gem See

Der “Ori­en­ta­li­sche Gar­ten der vier Strö­me” bie­tet die Mög­lich­keit, in eine ori­en­ta­lisch ange­hauch­te Welt ein­zu­tau­chen. Er liegt hin­ter dem “Saal der Emp­fän­ge”, einem groß­zü­gig gestal­te­ten Raum. Die­ser wird durch ein gro­ßes run­des Dach­fens­ter in der Mit­te natür­lich beleuch­tet. Ein wun­der­schö­ner Rund­gang, mit Zeder­holz-Arka­den und den mosa­ik­stei­ner­nen Wän­den füh­ren Besu­cher ein in die gestal­te­ri­schen isla­mi­schen Ele­men­te. Der inte­ra­tio­nal täti­ge Land­schafts­ar­chi­tekt Kamel Loua­fis gestal­te­te den Gar­ten mit Hil­fe des Gar­ten­his­to­ri­kers Prof. Moham­mend El Fai’z aus Mar­ra­kesch. Der Gar­ten ist von einer Mau­er umsäumt, ver­schie­de­ne Brun­nen- und Was­ser­an­la­gen sor­gen für Fri­sche auch an heis­sen Tagen — irgend­wie ich fühl­te mich stark an die Alham­bra in Gra­na­da erin­nert. Nicht nur die Was­ser­küns­te, auch die Bau­küns­te oder die wun­der­schö­nen Bei­spie­le der Mosai­ken geben einen leben­di­gen Ein­druck der phan­tas­ti­schen isla­mi­schen Kul­tur.

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Mosa­ik-Kunst

Tei­le der “Gär­ten der Welt” befin­den sich gera­de im Umbruch, d.h. sie wer­den für die IGA 2017 erwei­tert. Des­halb fin­den in die­sem Jahr ver­schie­de­ne Bau­tä­tig­kei­ten statt. Das ist jedoch nicht beson­ders beein­träch­ti­gend — der Kräu­ter­gar­ten war bei­spiels­wei­se zur Zeit nicht begeh­bar — denn das Gelän­de ist groß genug, um aus­zu­wei­chen.

Balinesischer Garten im Tropenhaus

Bali­ne­si­scher Gar­ten im Tro­pen­haus

Auch im Umbruch: Der Bali­ne­si­sche Gar­ten, der in einem Gewächs­hä­us unter­ge­bracht ist. Tro­pi­sche Gerü­che, Feuch­tig­keit und natür­lich tro­pi­sche Pflan­zen geben einen klei­nen Ein­druck in den außer­ge­wöhn­li­chen For­men-, Far­ben­reich­tum tro­pi­scher Gewäch­se. Im Gewächs­haus sind ein Wohn­haus und ein klei­ner Tem­pel auf­ge­baut.

Psalmen-Kreuzgänge und Stein-Brunnen

Psal­men-Kreuz­gän­ge und Stein-Brun­nen

Der Christ­li­che Gar­ten hat mir eben­falls sehr gefal­len. Die­ser Gar­ten ist wie­der­um umfasst von einem Wan­del­gang, der aus in Metall gegos­se­nen Psal­men besteht- eine wun­der­vol­le Idee! Der Gar­ten selbst ist nicht zugäng­lich. Ein­ge­fass­te Buchs­baum-Aria­le bil­den das Zen­trum des streng geo­me­tri­schen Gar­tens. Dem geo­me­tri­schen ange­passt, flies­sen über schwar­zem, glatt polier­tem Mar­mor Wäs­ser in den Gar­ten. Die stren­ge Struk­tur und die moder­ne Anleh­nung an die klös­ter­li­chen Kreuz­gän­ge haben mich fas­zi­niert.

Für die Kinder gibt es "Märchen-Gänge: Hier der Teufel mit den 3 goldenen Haaren

Für die Kin­der gibt es “Mär­chen-Gän­ge: Hier der Teu­fel mit den 3 gol­de­nen Haa­ren

Ich war unge­fähr fünf Stun­den in den “Gär­ten der Welt” — und habe noch lan­ge nicht alles gese­hen. Nun, in der Früh­lings­zeit blüh­ten die Kas­ta­ni­en­bäu­me, Rho­de­dend­ren und die vie­len Früh­jahrs­blu­men. Es gibt außer­dem noch einen gro­ßen Stau­den­gar­ten, Irr­gar­ten und zwi­schen den groß­flä­chig ange­leg­ten Area­len groß­zü­gi­ge Rasen­flä­chen, die begeh­bar sind. Dort lagen Besu­cher auf Decken, beleg­ten die vie­len Stüh­le oder Lie­gen oder such­ten sich in klei­ne­ren Wäld­chen geschütz­te­re Ecken. Das Are­al ist sehr fami­li­en­freund­lich. Es gibt über­all auf dem Gelän­de groß­zü­gig ange­leg­te Spiel­plät­ze, die mit ver­schie­de­nen The­men aus­ge­stat­tet sind. Sie bie­ten Kin­dern aller Alters­tu­fen groß­zü­gi­ge Spiel und Tobe­flä­chen.

Steinerne Reitwildschweine für Kinder

Stei­ner­ne Reit­wild­schwei­ne für Kin­der

Fazit: Ein loh­nen­des Ziel für Aus­flü­ge über das gan­ze Jahr hin­weg. Denn ein Besuch reicht garan­tiert nicht, um die vie­len Ide­en, lie­be­vol­len und kunst­voll ange­leg­ten Gär­ten, Anla­gen ange­mes­sen zu wür­di­gen. Das Früh­jahr ist wun­der­schön, der Som­mer bie­tet mit dem vie­len Was­ser­an­la­gen, Abküh­lung und Erfri­schung. Und: Der Herbst soll mit sei­nem bun­ten bota­ni­schen Aus­schmü­ckun­gen eben­falls wun­der­schön sein! Auf jeden Fall bie­tet die gesam­te Anla­ge Mög­lich­kei­ten der Ent­span­nung nach stra­pa­ziö­sem Pflas­ter­tre­ten in den ande­ren Stadt­tei­len Ber­lins.

 

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