Heilpflanzenwiesen statt Rasen!

17. Juli 2019
Wengelsbacher Natur

Wen­gels­ba­cher Natur

Wen­gels­bach lieg in den nörd­li­chen Voge­sen. Es ist ein Wei­ler in dem weni­ge Häu­ser ste­hen. Frü­her war die­se Regi­on eine sehr abge­schnit­te­ne und auch recht arm. Der Ort teilt ein Schick­sal mit vie­len ande­ren länd­li­chen Dör­fern und Städ­ten: Es leben dort nur noch weni­ge Men­schen. Die Jün­ge­ren sind weg­ge­zo­gen, weil sie in die­sen Regio­nen kein Aus­kom­men haben. Zurück blei­ben Häu­ser und rie­si­ge Grund­stü­cke, die haupt­säch­lich mit Rasen bepflanzt sind. Und dar­um geht es in die­sem Bei­trag: Um Alter­na­ti­ven zum leb­lo­sen Rasen.

Riesige Rasenflächen, wo früher Gemüse angebaut wurde

Rie­si­ge Rasen­flä­chen, wo frü­her Gemü­se ange­baut wur­de

Im Dorf Wen­gels­bach gibt es an den Wegen und bestimm­ten Häu­sern Tafeln, wo alte Fotos zei­gen, wie sich das Leben um die Jahr­hun­dert­wen­de dar­stell­te. Es wur­de Land­wirt­schaft betrie­ben und ver­schie­de­ne Fami­li­en waren Köh­ler. Die Köh­ler brauch­ten Holz, wes­halb die gesam­te Regi­on abge­holzt war, um die Köh­ler­hüt­ten zu betrei­ben. Fotos zei­gen die lee­ren Hän­ge der 300–400 Meter hohen Anhö­hen, die sich lieb­lich bis kegel­för­mig zei­gen.

Heu­te wird inten­si­ve Forst­wirt­schaft betrie­ben, die Hän­ge sind auf­ge­fors­tet meis­tens mit Kie­fern. In den Tälern wach­sen noch ande­re Baum­ar­ten wie Buchen, Eichen, Eber­eschen, Wal­nuss­bäu­me. Das Dorf ist nach wie vor schlecht erreich­bar: Über einen hol­pe­ri­gen Wald­weg, der frü­her der ein­zi­ge Zugang zum Dorf war. Oder über eine neu­ge­bau­te Stra­ße, die ser­pen­ti­enen­ar­tig über ver­schie­de­ne Höhen­zü­ge führt und des­halb nicht soviel benutzt wird, weil sie einen 20 Kilo­me­ter lan­ge Umweg dar­stellt.

Rasen macht alles schön ordentlich

Rasen macht alles schön ordent­lich

Die Regi­on ist sehr schön, der Teil die­ser Voge­sen lieb­lich, stark bewal­det. Es gibt vie­le Flüß­chen und Fisch­tei­che. Im Mit­tel­al­ter gehör­te die­se Regi­on zu einer ein­zig­ar­ti­gen Kul­tur­land­schaft, die heiss umkämpft war, was zahl­lo­se Burg­rui­nen bewei­sen. Heu­te laden lan­ge Wan­der­we­ge zu her­aus­for­dern­den Wan­de­run­gen ein. Teil­wei­se wur­den die Burg­rui­nen vor dem Ver­fall geret­tet. Es ent­stan­den “neue” Rui­nen, die zum Bei­spiel auf­ge­mau­ert wur­den wie Burg Fle­cken­stein. Teil­wei­se muss viel Fan­ta­sie­vol­les mit ein­ge­flos­sen sein. Für Kin­der und Mit­tel­al­ter-Fans sind sie genau das Rich­ti­ge.

Immerhin: Unter den Obstbäumen dürfen Heilpflanzen wachsen

Immer­hin: Unter den Obst­bäu­men dür­fen Heil­pflan­zen wach­sen

Der Wei­ler Wen­gels­bach ist nur in den Som­mer­mo­na­ten belebt: Die Fran­zo­sen, die dort Fami­lie hat­ten und Häu­ser wie Gär­ten machen dort Urlaub. Auch eini­ge Tou­ris­ten haben sich ein­ge­mie­tet, um die gran­dio­se Gegend per Pedes zu erkun­den. In die­ser Zeit erwacht das Dorf aus sei­nem Dorn­rös­chen­schlaf: Geschäf­tig wird gebas­telt und vor allem Rasen gemäht. Und zwar kurz mit die­sen Rasen­mä­hern, die klei­nen Trak­to­ren ähneln und die aus­schließ­lich von Män­nern befah­ren wer­den.

Was ist gegen solche Wiesen auszusetzen?

Was ist gegen sol­che Wie­sen aus­zu­set­zen?

Gleich bei mei­nem ers­ten Spa­zier­gang durchs Dorf fie­len mir die­se kar­gen, von der Son­ne durch­ge­trock­ne­ten rie­si­gen Rasen­flä­chen auf. Frü­her waren die­se Flä­chen Gär­ten, die die Selbst­ver­sor­gung mit Gemü­se sicher stell­ten. Ich frag­te mich immer wie­der, war­um in aller Welt nur Rasen? Im Dorf gab es über­all an den Weg­rän­dern — Gott sei Dank noch Heil­pflan­zen — die einen wun­der­schö­nen Kon­trast zu den unbe­leb­ten Gras­flä­chen bil­de­ten. Hier flat­ter­ten zahl­lo­se Schmet­ter­lin­ge her­um, Wild­bie­nen und ande­re Insek­ten auf der Suche nach Nah­rung. Dort gab es Leben, Sum­men, Geschäf­tig­keit.

Auf den Rasen­flä­chen nicht! Was ist dage­gen ein­zu­wen­den Wild­wie­sen wach­sen zu las­sen? Der Vor­teil: Sie brau­chen viel weni­ger gemäht wer­den. Der Boden trock­net weni­ger aus. Mehr Insek­ten, Vögel und Kleinst­le­be­we­sen haben eine bes­se­re Über­le­ben­chan­ce.

Eine Wie­se mit Mal­ven und Johan­nes­kraut

Ste­tig wird auf die ster­ben­den Arten hin­ge­wie­sen. Ange­klagt wird dann die Land­wirt­schaft. Selbst­kri­tisch muss ich zuge­ben, dass mein Lieb­lings­the­ma in die­sem Fal­le das Gly­pho­sat ist. Doch wie sieht es mit den vie­len Pri­vat­flä­chen bezie­hungs­wei­se Gär­ten aus? War­um darf sich die Natur nicht um die Häu­ser aus­brei­ten? Wegen der sche­len Bli­cke der Nach­barn, die das “Unkraut” fürch­ten? Oder der Klein­tie­re, die sich in die (meist lee­ren) Häu­ser ein­nis­ten könn­ten? In dem Bio­sphä­ren­haus im nahe­ge­le­ge­nen Fisch­bach ent­deck­te ich ein Hin­weis­schild, was stolz dar­auf ver­wies: “Wir las­sen hier Weg­war­te, Johan­nis­kraut und ande­re Heil­kräu­ter bewußt wach­sen — denn sie schüt­zen vor der Aus­trock­nung des Bodens, schaf­fen ein eige­nes Mikro­kli­ma und wir müs­sen nicht so viel wäs­sern. Eine win-win-Situa­ti­on!. Ach was! Ich habe das Schild fast so ver­stan­den, dass sich dafür ent­schul­digt wur­de dafür, dass dort so viel “Unkraut” wach­se.

Wir kön­nen doch nicht das Aus­ster­ben der Arten bekla­gen, wenn wir in unse­rem eige­nen Lebens­be­reich so viel tun könn­ten! Was ist gegen Heil­pflan­zen­wie­sen statt Rasen ein­zu­wen­den? Die bun­te Viel­falt ist doch viel schö­ner, leben­di­ger!

Mehr:

Heil­pflan­zen­wie­sen: Stadt- Land- Unter­schie­de

Lese­tipp: Ver­ges­se­ne Heil­pflan­zen

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