Liebstöckel bekannter als “Maggi-Kraut”

30. Juni 2010
Liebstöckel (Levisticum officinale)

Lieb­stö­ckel (Levisti­cum offi­ci­na­le)

Wenn das männ­li­che Stö­ckel nicht mehr steht, hilft Lieb­stö­ckel”, so lau­tet eine Volks­mund-Weis­heit. In der Erfah­rungs­heil­kun­de ist das Würz­kraut als Lie­bes­kraut (Aphro­di­sia­kum) bekannt, um Abhil­fe zu schaf­fen. Die moder­ne Wis­sen­schaft hat der­glei­chen noch nicht fest­ge­stellt. Aber das muss ja nichts heis­sen. Heu­te wird Lieb­stö­ckel (Levisti­cum offi­ci­na­le) zumeist als Küchen­kraut ein­ge­setzt. Sein Geschmack ist kräf­tig und cha­rak­te­ris­tisch. Vie­le ken­nen es lei­der nur als “Mag­gi-Kraut”. Die Würz­sauce hat jedoch  nichts mit Lieb­stö­ckel zu tun. Nur wird es seit vie­len Jah­ren mit Juli­us Mag­gi, dem Erfin­der sei­nes Gär­ver­fah­rens zur Her­stel­lung der Mag­gi-Wür­ze, ver­knüpft. War­um, ist nicht mehr nach­zu­voll­zie­hen. Klar ist jedoch, dass sowohl Würz­sauce wie auch Kraut eine außer­or­dent­li­che Würz­kraft ent­fal­ten: Bei der Sau­ce rei­chen ein paar Trop­fen, beim Kraut zwei jun­ge Blät­ter, um Küchen­ge­rich­ten einen def­ti­gen Geschmack zu ver­lei­hen.

Lieb­stö­ckel eig­net sich zum Wür­zen für Sau­cen, Bra­ten, Sup­pen, Sala­te, Gemü­se oder Kräu­ter­quark. Von der Pflan­ze las­sen sich Blät­ter, Stän­gel und auch Wur­zeln ver­wen­den. Vor­sicht ist aller­dings ange­bracht: Denn eine Über­wür­zung von fri­schem oder getrock­ne­tem Würz­kraut lässt sich ähn­lich wie dem Chi­li durch Ver­län­gern oder Hin­zu­fü­gen ande­rer Zuta­ten nicht mehr auf­he­ben.

Genau­so kräf­tig wie im Geschmack ist sie im Wuchs. Sie ist so vital, dass der Strauch zwei­mal im Jahr geschnit­ten wer­den kann, um dar­aus einen eige­nen Win­ter­vor­rat anzu­le­gen: Meh­re­re Stän­gel wer­den gebün­delt, Kopf über auf­ge­hängt und lang­sam getrock­net. Das ist bei der gegen­wär­ti­gen Wär­me gar kein Pro­blem. Wich­tig ist nur, dass eine durch­gän­gi­ge Tro­cken­heit besteht. Dass nicht zum Bei­spiel Lieb­stö­ckel draus­sen auf­ge­hängt wird, wo am Mor­gen oder Abend wie­der Feuch­tig­keit auf­tritt. Rich­tig tro­cken ist das Kraut dann, wenn die Blät­ter knis­ternd zwi­schen den Fin­gern zer­fal­len. Dann wer­den sie zer­klei­nert und in dunk­le, luft­dich­te Glä­ser gefüllt. So auf­be­wahrt behält es zwei Jah­re lang sei­ne Würz­kraft.

Lieb­stö­ckel hat auch wert­vol­le medi­zi­ni­sche Eigen­schaf­ten: Es ist krampf­lö­send zum Bei­spiel bei Blä­hun­gen und Auf­stos­sen. Auch Ver­dau­ungs­be­schwer­den wie Sod­bren­nen oder Völ­le­ge­fühl durch frisch auf­ge­brüh­ten Lieb­stö­ckel­wur­zel-Tee zu bes­sern. Schliess­lich haben die Wur­zeln noch anti­mi­kro­bi­el­le und harn­trei­bende Wir­kung. Des­halb wird Lieb­stö­ckel-Wur­zel­tee bei der Behand­lung ent­zünd­li­cher Erkran­kun­gen der ablei­ten­den Harn­we­ge (v. a. der Bla­se) oder zur Harn­wegs-Durch­spü­lung (Vor­beu­gung von Nie­ren­griess) ver­wen­det. Nicht ein­ge­setzt wer­den darf der Tee aller­dings bei aku­ten ent­zünd­li­chen Erkran­kun­gen des Nie­ren­pa­ren­chyms (Glome­ru­lo­n­e­phri­tis) oder ein­ge­schränk­ter Nie­ren­funk­ti­on! Eben­so wenig bei Öde­men infol­ge ein­ge­schränk­ter Herz­funk­ti­on.

Mehr:

Mono­gra­phie Lieb­stö­ckel-Wur­zel

 

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