Schlehenfrüchte: Der besondere Geschmack

21. November 2009
Schlehenfrüchte (Pruni Spinosae Fructus)

Schle­hen­früch­te (Pruni Spi­no­sae Fruc­tus)

Eine Schle­hen-(Pru­nus Spi­no­sa)-Ern­te ist bis spät in den Dezember/Januar mög­lich. Im Gegen­satz zu den ande­ren Bee­ren (Vogel­bee­ren, Holun­der, Sand­dorn), die durch den ers­ten Frost ihre Taug­lich­keit zur Ver­ar­bei­tung zu Mar­me­la­de oder Saft ver­lie­ren, brau­chen Schle­hen Minus­gra­de. Dann wer­den sie erst rich­tig schmack­haft. Des­halb ste­cken Schle­hen­freun­de die Stein­früch­te im Novem­ber für eine Nacht ins Tief­kühl­fach, um sie danach zu ver­ar­bei­ten. Schle­hen haben einen äußerst her­ben, sau­ren Geschmack. In der Nomen­kla­tur der tra­di­tio­nel­len Medi­zin wird ihnen ein adstrin­gie­ren­der (zusam­men­zie­hen­der) Cha­rak­ter zuge­ord­net. In der Volks­heil­kun­de haben Schle­hen eine hohe Bedeu­tung, wes­halb Blü­ten, Blät­ter und Früch­te Ver­wen­dung fan­den. In der Schul­me­di­zin sind die Stein­früch­te bedeu­tungs­los. Aller­dings könn­ten die geschmack­vol­len Früch­te über die Wild­kräu­ter­kü­che eine Renais­sance erle­ben. Für die Her­stel­lung eines ech­ten Schle­hen­li­körs lohnt es sich alle­mal, sich die Hän­de zer­krat­zen zu las­sen.

2009 ist ein fan­tas­ti­sches Bee­ren­jahr. Es gab reich­lich Holun­der-, Vogel-, Weiss­dorn­bee­ren. Doch die Schle­hen­ern­te ist beson­ders erfreu­lich: Die Stein­früch­te hän­gen in dicken Trau­ben an den Zwei­gen, die sich unter der Last bie­gen. Mit einem Eimer und Hand­schu­hen (wegen der Dor­nen) bewaff­net las­sen sich in die­sem Jahr schnell meh­re­re Kilos sam­meln. Schle­hen­früch­te ent­hal­ten Frucht­zu­cker, Frucht­säu­ren, Gerb­stof­fe und viel Vit­amin C. Wegen ihres her­ben, Eigen­ge­schmacks wer­den sie meist in Kom­bi­na­ti­on mit mil­de­ren Früch­ten wie Äpfeln oder Bir­nen zum Bei­spiel zu Mar­me­la­de oder Saft ver­ar­bei­tet. Ein Likör aus Schle­hen ist etwas Fei­nes. Im Alko­hol ent­fal­tet sich ein wür­zig, mil­des Bou­quet mit dem typi­schen Schle­hen­ge­schmack. Als Magen­öff­ner (zur Appe­tit­an­re­gung) oder zu ech­tem Vanil­len­eis zum Nach­tisch bespiels­wei­se ein Genuss.

Zuta­ten: 500 Gramm Schle­hen­früch­te (nach dem ers­ten Frost geern­tet oder gefros­tet im Kühl­fach), 300 Gramm brau­nen Kan­dis­zu­cker, 38 Pro­zen­ti­gen Wod­ka, 1/3 einer ech­ten Vanil­len­scho­te.

Zube­rei­tung: Immer nur Schle­hen fern­ab von Schnell­stra­ßen oder sons­tig nicht umwelt­be­las­te­ten Gebie­ten ern­ten. Die Früch­te wer­den unge­wa­schen in das Kühl­fach gesteckt. Wenn sie schon Frost bekom­men haben, kön­nen sie gleich ver­ar­bei­ten wer­den. Die Schle­hen in eine dick­hal­si­ge Fla­sche schüt­ten, den Kan­dis­zu­cker dar­über geben, die ein Drit­tel einer Vanil­len­stan­ge ins Glas ste­cken. Zuletzt die Fla­sche mit dem Wod­ka auf­fül­len. Etwa 6 Wochen ste­hen las­sen. In jeder Woche die Fla­sche vor­sich­tig drei mal bewe­gen, so löst sich der Zucker lang­sam auf, der Alko­hol nimmt eine dun­kel­ro­te Far­be an. Wer nun eine Fla­sche ansetzt, hat recht­zei­tig zu Weih­nach­ten einen edlen, lecke­ren Likör zum Anbie­ten.

Fertiger Schlehenlikör

Fer­ti­ger Schle­hen­li­kör

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1 Kommentar zu „Schlehenfrüchte: Der besondere Geschmack“

  1. Sela Langer sagt:

    Wow! Ich bin weder Alko­ho­li­ker noch über­haupt Alko­hol zuge­wandt, aber die­ses Rezept hat mich aus dem Anti-Alko­hol­schlaf geholt. Ges­tern habe ich näm­lich Schle­hen­bü­sche (fern den Stra­ßen!!!!) ent­deckt, die sich nur so vor Früch­ten gebo­gen haben.

    Ich wer­de sowohl den Likör pro­bie­ren, aber auch die Mar­me­la­de (eher für Mam­mis süße Toch­ter geeig­net) aus­pro­bie­ren!

    Vie­len Dank auch für das wis­sens­wer­te Bei­werk im Text!

    NatÜr­li­che Grü­ße
    Sela