Spreewald: Kahntour, Biosphärenreservat

24. Mai 2012
Spreewald-Kähne im Auenwald

Spree­wald-Käh­ne im Auen­wald

Die hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren laden dazu ein, eine erfri­schen­den­de Tour auf den bekann­ten Spree­wal­der Was­ser­stra­ßen zu machen. Der Spree­wald liegt nur 100 Kilo­me­ter süd­öst­lich von Ber­lin. Da der Spree­wald ohne­hin nicht mit Autos durch­fah­ren wer­den kann wegen sei­ner vie­len Was­ser­we­ge, bie­tet sich eine Bahn­fahrt an. Das Zen­trum des Spree­wal­des ist Lüb­ben­au. Vom Ber­li­ner Haupt­bahn­hof zum Bahn­hof Lüb­ben­au dau­ert die Fahrt nur 50 Minu­ten mit dem Regio­nal­ex­press. Alles wei­te­re ist fuß­läu­fig. So führt vom Bahn­hof Lüb­ben­au ein real­tiv kur­zer Fuß­weg über die his­to­ri­sche Innen­stadt zum gut beschil­der­ten Lüb­ben­au­er Hafen. Von dort aus star­ten die Kahn­tou­ren durch den Spree­wald.Im Hafen ste­hen auf einer gro­ßen, grü­nen Tafel zahl­rei­che Kahn­füh­rer mit Namen ver­merkt. Eben­so die Rei­hen­fol­ge, denn im Spree­wald ver­su­chen in der kur­zen Som­mer­sai­son etwa 250 Spree­wäl­der als Kahn­füh­rer ihr Geld zu ver­die­nen. Des­halb ist alles genau­es­tens gere­gelt. Der Tou­ris­mus ist im struk­tur­schwa­chen Spree­wald über­haupt die Haupt­ein­nah­me­quel­le für die Ein­hei­mi­schen.

150 Wehre regulieren die Wasserpegel der Spree in dieser Region

150 Weh­re regu­lie­ren die Was­ser­pe­gel der Spree in die­ser Regi­on

Unter der Woche (und nicht in den Feri­en) ticken die Uhren im Spree­wald lang­sa­mer. Unter der heis­sen Mit­tags­son­ne haben sich nur acht Fahr­gäs­te zusam­men gefun­den. Auch wenn der Kahn­füh­rer Frank Hen­sel mit noch so ker­ni­gen Sprü­chen wei­te­re Tou­ris­ten anspricht, so bleibt es dabei. Die meis­ten wol­len zuerst Mit­tag essen. Wie sich spä­ter her­aus­stellt, gehört Hen­sel auch das Restau­rant am Hafen. Des­halb sta­akt er auch mit uns Ach­ten fröh­lich los. Die gepols­ter­ten Bän­ke des Kahns sind ange­nehm für die Boots­fahr­ten, deren Tou­ren durch­aus sehr vari­ie­ren: Kür­ze­re Tou­ren dau­ern bis zu zwei Stun­den. Außer­dem wer­den Fahr­ten bis zu vier oder sogar sechs Stun­den ange­bo­ten. Je nach dem, wohin sie fah­ren, ob durch die Spree­wald­dör­fer, Auen­land­schaf­ten, Nie­der­moo­re oder Acker- und Wie­sen­land­schaf­ten. Ich habe eine zwei­stün­di­ge Tour zum Ken­nen­ler­nen gewählt.

Lauschige Momente im Auenwald

Lau­schi­ge Momen­te im Auen­wald

Nach dem Able­gen glei­tet der Kahn glei­tet völ­lig geräusch­los über das Was­ser, was äußerst ent­span­nend und ange­nehm ist. Die ver­zweig­te Was­ser­stra­ße führt an einer Boots­aus­lei­he vor­bei in ein tun­nel­ar­ti­ges Grün. Hohe Schwarz­erlen oder Pap­peln bil­den das Dach. Far­ne oder ande­re Pflan­zen, die Was­ser schät­zen oder ger­ne schat­tig ste­hen, umsäu­men den etwa drei Meter brei­ten Was­ser­weg. Die lau­schi­ge Atmo­sphä­re wird eine Zeit lang nicht unter­bro­chen. Der Kahn­füh­rer lässt die Ein­drü­cke ange­neh­mer­wei­se auf sei­ne Gäs­te wir­ken. Erst spä­ter als er den Kahn immer wei­ter in das ver­zweig­te Was­ser­we­ge­netz führt, erzählt er: Die Spree­wal­der müs­sen in der kur­zen Som­mer­sai­son ihren Unter­halt für das gan­ze Jahr ver­die­nen. Frü­her vor der Wen­de arbei­te­ten vie­le Men­schen im Braun­koh­le-Tages­ab­bau, der rings um in der Regi­on bestand. Doch bis auf weni­ge Abbau­ge­bie­te sind die meis­ten Abbau­ge­bie­te nun geschlos­sen. Wegen der feh­len­den Arbeits­plät­ze ver­las­sen vor allem jun­ge Leu­te den Spree­wald, bedau­ert Hen­sel. Des­halb besteht die Hälf­te der Bevöl­ke­rung Lüb­ben­aus aus Rent­nern. Die Ande­ren betrei­ben die zahl­rei­chen Restau­rants, Bis­tros, Cafés, Hotels oder klei­ne Feri­en­un­ter­künf­te, die über­all auf den Inseln oder der Regi­on zu sehen sind. Rela­tiv wenig Arbeits­plät­ze bie­tet auch die ansäs­si­ge Indus­trie, für die der Spree­wald so berühmt gewor­den ist: Die Her­stel­lung von Spree­wal­der Gur­ken und ande­ren regio­na­len Meer­ret­tich- oder Senf­pro­duk­ten. Nach dem Anbau der Roh­stof­fe, also Gur­ken, Meer­ret­tich, Senf wie deren Ern­te und Ver­ar­bei­tung, die größ­ten­teils noch Hand­ar­beit erle­digt wird, ist die­se sai­so­na­le Arbeit been­det.

Kleine zu bearbeitenden Flächen zwischen den Wasserstraßen

Klei­ne zu bear­bei­ten­den Flä­chen zwi­schen den Was­ser­stra­ßen

War­um soviel Hand­ar­beit auch bei Anbau oder der Ern­te nötig sind, erklärt Hen­sel eben­falls. Die Anbau- oder Wie­sen­flä­chen an den Was­ser­stra­ßen sind klein. Um sie zu bewirt­schaf­ten, müs­sen die Spree­wal­der  alles mit den Käh­nen her­bei­schaf­fen wie auch abtrans­por­tie­ren. Die maschi­nel­le Bewirt­schaf­tung ist oft so inef­fek­tiv, dass das Meis­te mit der Hand gemacht wer­den muss. “Das ist auch der Grund, war­um die Land­wirt­schaft immer weni­ger betrie­ben wird”, so Hen­sel, “sie ist den Meis­ten ein zu müh­se­li­ges Geschäft”.

Spreewald-Idylle

Spree­wald-Idyl­le

Die ruhi­ge Fahrt geht wei­ter. Enten­pä­ar­chen kom­men immer wie­der dicht an das Boot und schau­en erwar­tungs­voll. Sie haben wohl gelernt, dass bei den vor­bei­fah­ren­den Boo­ten leicht Nah­rung zu holen ist. Ansons­ten sind vie­le Libel­len zu bewun­dern, die gera­de ihre sport­li­chen Paa­rungs­tän­ze voll­füh­ren. Der Spree­wald ist eben­so wegen des bedeut­sa­men Bio­sphä­ren­re­ser­vats bekannt, dass unter der Schirm­herr­schaft der UNESCO steht. Von dem etwa 1.500 Kilo­me­ter lan­gen Was­ser­stra­ßen-Netz, sind 200–500 Kilo­me­ter tou­ris­tisch frei­ge­ge­ben- also Käh­ne und Padd­ler. Der Rest ist geschützt oder selbst für die­se Was­ser­fahr­zeu­ge nicht zugäng­lich. Das Bio­sphä­ren­re­ser­vat selbst hat eine Grö­ße von 485 Qua­drat­ki­lo­me­tern und wird von 18.000 (!) Tier- und Pflan­zen­ar­ten bevöl­kert. Von den 900 Pflan­zen­ar­ten ste­hen allei­ne 150 Arten auf der Roten Lis­te. Außer­dem fin­den sel­te­ne Tie­re wie Biber oder Schwarz­stör­che Lebens- und Über­le­bens­räu­me. Das Bio­sphä­ren­re­ser­vat ist unter­teilt in drei Zonen: Der Kern­zo­ne, die nur von Wis­sen­schaft­lern zu For­schungs­zwe­cken betre­ten wer­den darf, den Zonen II und III, die zum Teil noch wirt­schaft­lich von Men­schen genutzt wer­den dür­fen (wei­te­re Infor­ma­tio­nen).

 

Lehde

Leh­de

Die Fahrt geht vor­bei am Dorf Leh­de, dass kein Muse­ums­dorf sein soll, wie die Web­site des Ortes Aus­kunft gibt. Im Dorf leben noch 130 Bewoh­ner. Sie betrei­ben Restau­rants, Gast­häu­ser, Feri­en­do­mi­zi­le, Läden für ver­schie­de­ne Pro­duk­te und ein Frei­land­mu­se­um. Dort wird das vor­ma­li­ge Leben dar- und vor­ge­stellt. Man­che Kahn­tou­ren machen in Leh­de eine ein­stün­di­ge Pau­se. Apro­pos Pau­se: Auch wir machen eine im Kau­pen No.6, dem Restau­rant des Schwa­gers des Kahn­füh­re­res. Es ist ganz ange­nehm, nach dem län­ge­ren Sit­zen die Bei­ne ver­tre­ten zu kön­nen, und anschlie­ßend den Flüs­sig­keits­haus­halt bei der Hit­ze wie­der auf­zu­fül­len. Das Gast­haus besteht aus dicken, dunk­len Holz­stäm­men und hat drin­nen eine gemüt­li­che Gast­stu­be. Sie wird aller­dings nur von einem völ­lig schlap­pen Kater bewohnt. Ihm macht wohl die Hit­ze zu schaf­fen.

 

Schlapper Kater

Schlap­per Kater

Ich neh­me mir vor, den Spree­wald ein­mal für ein paar Tage auf eige­ne Faust mit dem Pad­del­boot zu erkun­den. Boots­ver­lei­he, Gast­häu­ser gibt es genug. Sicher­lich ist es etwas völ­lig ande­res, allei­ne oder zu zweit durch die Auen- und Park­land­schaft zu fah­ren. Bestimmt loh­nen sich auch klei­ne Aus­flü­ge auf den vie­len Wegen, die sich häu­fig ent­lang der Was­ser­stra­ßen schlän­geln. Das Kar­ten­ma­te­ri­al habe ich übri­gens schon: Ein loh­nens­wer­ter Kanu- und Pad­del­füh­rer beschäf­tigt sich nur mit dem Spree­wald. Er ist hand­lich und hat eine Spi­ral­bin­dung. Er hat aus­führ­li­che Tou­ren­be­schrei­bun­gen mit gut les­ba­rem Kar­ten­ma­te­ri­al und vie­len Tipps und Tricks. Zu bezie­hen unter: Tho­mas Kett­ler Ver­lag (9,95 €).

 

Paddeln im Spreewald entspannt

Pad­deln im Spree­wald ent­spannt

Ahoi!

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1 Kommentar zu „Spreewald: Kahntour, Biosphärenreservat“

  1. Markus Kellenberger sagt:

    Treibst Du fried­lich auf der Spree
    Tut Dir nix mehr weh!

    Ach könn­te ich das Büro doch ein­fach so ver­las­sen!