Lindenblüten: Bienenweide ohne Bienen

15. Juni 2016
Eine Überfülle an Lindenblüten

Eine Über­fül­le an Lin­den­blü­ten ohne Bie­nen

Die Lin­den blü­hen in einer unglaub­li­chen Pracht und Über­fül­le. Ein unglaub­lich lieb­lich-aro­ma­ti­scher Duft liegt in der Luft. Das wäre ein Rie­sen­fest für Bie­nen! Doch wo sind sie nur? Ich erin­ne­re mich an Jah­re, in denen es in den Lin­den­bäu­men nur so summ­te und brumm­te. Geschäf­tig waren über tau­sen­de von Bie­nen mit dem Ein­sam­meln von Nek­tar beschäf­tigt. Mir feh­len die Bie­nen. Ich fin­de es sehr beun­ru­hi­gend, dass sie nicht da sind.

St. Katherinen, dreischiffige, gotische Backsteinkirche

St. Kathe­ri­nen, drei­schif­fi­ge, goti­sche Back­stein­kir­che mit Lin­de

Am Wochen­en­de war ich in Bran­den­burg an der Havel. Das ist eine wun­der­schö­ne Stadt mit 1000jähriger, wech­sel­haf­ter Geschich­te. Bei einem Rund­gang fie­len mir die Lin­den auf, die vor den Kir­chen, dem Rat­haus und dem Dom stan­den. Lin­den kön­nen über 1000 Jah­re alt wer­den, wenn sie einen guten Stand­ort haben und wach­sen dür­fen. Die­se Lin­den waren noch nicht so alt, aber die Men­schen, die sie gepflanzt haben, wer­den die Bäu­me viel­leicht in Hin­sicht auf die deut­sche Tra­di­ti­on gepflanzt haben.

Auch der Dom zeigt sich mit Linde

Auch der Dom zeigt sich mit Lin­den

Lin­den wur­den von den Ger­ma­nen an ihre Gerichts- und Ver­samm­lungs­or­te ange­pflanzt. Die Lin­de war der Göt­tin Freya geweiht, und unter ihr konn­te leich­ter die Wahr­heit gefun­den wer­den, so glaub­ten die Ger­ma­nen. Des­halb wach­te eine Lin­de über den Thing­plät­zen. In vie­len Dör­fern stand eine Lin­de auf dem Dorf­platz, wo gesel­li­ges Bei­sam­men­sein gepflegt wur­de, Lie­bes­paa­re tra­fen sich dort. Lin­den wur­den auch zum Schut­ze vor Dämo­nen oder Blitz­schlag ange­pflanzt, nicht zuletzt auch als ergie­bi­ge Bie­nen­wei­de. Oder in der Nibe­lun­gen­sa­ge spielt ein Lin­den­blatt eine Rol­le: Ein Lin­den­blatt setz­te sich Sieg­fried auf den Rücken, wäh­rend sei­nes Bades im Blut des getö­te­ten Dra­chens. Es war die ein­zi­ge Stel­le der Ver­wund­bar­keit, die der Held hat­te.

Linde vor dem Rathaus, links am Bildrand, der große Roland

Lin­de vor dem Rat­haus, rechts am Bild­rand, der gro­ße Roland

Die Lin­de bringt inne­re Samm­lung: Men­schen also, die zur Hek­tik nei­gen, soll­ten sich Lin­den suchen, sich dar­an set­zen. Die Lin­de hilft ihnen leich­ter zur Ruhe zu kom­men. [1]

Roland mit Donnerwurz auf dem Kopf

Roland mit Don­ner­wurz auf dem Kopf

Vor dem goti­schen Rat­haus der Stadt Bran­den­burg steht eben­falls eine schon recht ansehn­li­che Lin­de. Und: Vor der alten Rat­haus­tür wacht Roland. Der Rit­ter mit Schwert wur­de seit Karl dem Gro­ßen als Sym­bol der Eigen­stän­dig­keit einer Stadt mit Markt­recht und eige­ner Gerichts­bar­keit auf­ge­stellt. Die Bran­den­bur­ger Stein­fi­gur, die auf dem Kopf eine klei­ne Mul­de hat, ist mit “Don­ner­wurz” bepflanzt. Don­ner­wurz ist Haus­wurz. Die Pflan­ze dien­te als Blitz­ab­lei­ter — so erklärt eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel.

Doch zurück zu den Bie­nen: Bran­den­burg liegt 75 Kilo­me­ter ent­fernt von Ber­lin mit­ten auf dem Land, mit­ten in wun­der­schö­ner Land­schaft und an der Havel. Doch lei­der trügt die Idyl­le. In der Land­wirt­schaft dür­fen lei­der immer noch Insek­ten­gif­te in Form von Pes­ti­zi­den (Neo­ni­ko­tio­ni­de) behan­del­ten Saat­gü­tern auf die Fel­der gebracht wer­den, wenn “gewis­se Grenz­wer­te nicht über­schrit­ten wer­den”. Wer kon­trol­liert das eigent­lich? Offen­sicht­lich ist, dass es kei­ne Bie­nen gibt.

Laut efsa (European Food Safe­ty Aut­ho­ri­ty) gibt es sogar eine gan­ze Rei­he an Risi­ken, die von Neo­ni­ko­ti­noi­den für Bie­nen aus­ge­hen (sie­he Arti­kel). Was für Bie­nen schäd­lich ist, kann doch für mensch­li­che Ernäh­rung nicht gut sein oder? Eine Stu­die der EASAC (European Aca­de­mies Sci­ence Advi­so­ry Coun­cil) zeigt in einer Stu­die (sie­he Bericht), dass das Pes­ti­zid auf die Bie­nen­kö­ni­gin­nen einen frü­he­ren Tod bewirkt, die Fort­pflan­zung behin­dert wird, auch auf Mot­ten und Schmet­ter­lin­ge wirkt das Gift. Ein Bei­trag aus der dem Deut­schen Bie­nen­jour­nal 4/2014 beschreibt wie das Pes­ti­zid auf die Ner­ven­funk­tio­nen der Bie­nen ein­wir­ken, und sie z.B. nicht mehr zu ihrem Stock zurück­keh­ren kön­nen. Ein Ster­ben der Bienen/ Insek­ten hat eben­so Aus­wir­kun­gen auf die Vogel­welt, die sich von Insek­ten ernäh­ren. Die Zuflucht der Vögel in die Städ­te hat unter ande­rem mit dem feh­len­den Nah­rungs­an­ge­bot auf dem Land zu tun. Die Neo­ni­ko­tio­ni­de wer­den in 120 Län­dern ein­ge­setzt. Die tod­brin­gen­den Pes­ti­zi­de wer­den von Bayer/Leverkusen und Syngenta/Schweiz her­ge­stellt.

Hier eine Akti­on, auf die ich auf­merk­sam machen möch­te: Stoppt das Bie­nen­gift. Bit­te enga­giert Euch. Was wol­len wir mit einer Welt, in der es kei­ne Bie­nen, Schmet­ter­lin­ge, Vögel mehr gibt?

[1] Quel­le: Strass­mann, R.: Baum­heil­kun­de. Heil­kraft, Mythos und Magie der Bäu­me. AT Ver­lag (5. Auf­la­ge), Aar­au, Schweiz, 2006.

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1 Kommentar zu „Lindenblüten: Bienenweide ohne Bienen“

  1. Marion Kaden sagt:

    Die­se Pres­se­mit­tei­lung vom BUND, 19.06.16 zur Kennt­nis:

    Mehr als jeder zwei­te Honig aus deut­schen Super­märk­ten mit Pes­ti­zi­den belas­tet. BUND for­dert Aus­stiegs­plan für Acker­gif­te

    Ber­lin: Der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) hat in 13 von 22 Honi­gen aus deut­schen Super­märk­ten Rück­stän­de von Pes­ti­zi­den fest­ge­stellt. Die Pro­ben waren zumeist mit dem Neo­ni­ko­ti­no­id Thia­clo­prid belas­tet. Die­ses hoch­wirk­sa­me Ner­ven­gift kann beim Men­schen Krebs erre­gen und schäd­lich für die Fort­pflan­zung sein. Für Bie­nen und ande­re nütz­li­che Insek­ten ist es töd­lich, schwächt das Immun­sys­tem oder beein­träch­tigt die Ori­en­tie­rung.

    Die Ergeb­nis­se sind alar­mie­rend und zei­gen, dass wir in Deutsch­land und der EU ein ernst­haf­tes Pro­blem mit Pes­ti­zi­den in der Land­wirt­schaft haben“, sag­te der BUND-Vor­sit­zen­de Hubert Wei­ger. „Neo­ni­ko­ti­noi­de sind mit­ver­ant­wort­lich für das Bie­nen­völ­kerster­ben und redu­zie­ren die Arten­viel­falt auch bei Vögeln und ande­ren Wild­tie­ren. Umwelt­schäd­li­che Acker­gif­te wer­den im Obst- und Raps­an­bau in gro­ßer Men­ge ein­ge­setzt und gelan­gen des­halb in die Lebens­mit­tel. Ver­brau­cher kön­nen sich vor Acker­gif­ten eben­so wenig schüt­zen wie Tie­re und die Natur“, sag­te Wei­ger.

    Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt prä­sen­tiert sich gern als Bie­nen­schüt­zer, igno­riert jedoch beharr­lich die Rol­le der Pes­ti­zi­de beim Ver­lust von Bie­nen­völ­kern“, kri­ti­sier­te der BUND-Vor­sit­zen­de. „Schmidt muss Neo­ni­ko­ti­noi­de ver­bie­ten und einen schnel­len Pes­ti­zid-Aus­stiegs­plan auf den Weg brin­gen. Umwelt­ge­fähr­den­de Pes­ti­zi­de gehö­ren nicht auf den Acker. Die Land­wirt­schaft ist auf die Bestäu­bungs­leis­tung von Bie­nen und Wild­bie­nen drin­gend ange­wie­sen, zwei Drit­tel unse­rer Nah­rungs­pflan­zen hän­gen davon ab“, sag­te Wei­ger.

    Der BUND hat­te die Honi­ge von einem unab­hän­gi­gen Labor auf Neo­ni­ko­ti­noi­de unter­su­chen las­sen. Alle sechs getes­te­ten Honi­ge deut­scher Her­kunft waren mit Thia­clo­prid belas­tet, einer ent­hielt zusätz­lich auch das Neo­ni­ko­ti­no­id Acet­ami­prid. Wei­te­re 11 Honi­ge stamm­ten aus ande­ren EU-Län­dern, davon waren sie­ben eben­falls mit Thia­clo­prid belas­tet. In den übri­gen fünf getes­te­ten Honi­gen mit Her­kunfts­be­zeich­nung „aus EU- und Nicht-EU Län­dern“, die aus gemisch­ter Ware bestehen, wur­den kei­ne Neo­ni­ko­ti­noi­de gefun­den.

    Wegen ihrer Gefähr­lich­keit hat­te die EU-Kom­mis­si­on schon im Jahr 2013 die Zulas­sung von drei Neo­ni­ko­ti­noi­den für von Bie­nen bevor­zug­te Pflan­zun­gen vor­erst beschränkt. Seit­dem wird das von Bay­er her­ge­stell­te Thia­clo­prid meist als Ersatz ver­wen­det, das jedoch ähn­lich gefähr­lich ist. Der BUND for­dert ein dau­er­haf­tes Ver­bot aller Neo­ni­ko­ti­noi­de auf EU-Ebe­ne.