Senf­mehl-Fuß­bad: Bei Erkäl­tung, Kopf­schmer­zen, Sinusitis

Senfmehl-Fußbad
Senf­mehl-Fuß­bad

Ein Fuß­bad mit Senf­mehl hat gleich meh­re­re Anwen­dungs­ge­bie­te: Bei einer begin­nen­den Erkäl­tung, Kopf­schmer­zen, begin­nen­der Migrä­ne oder einer Nasen­ne­ben­höh­len­ent­zün­dung (Sinu­s­i­tis).

Die Durch­füh­rung ist ein­fach: Es wer­den zwei bis drei Ess­löf­fel von schwar­zem gemah­le­nem Senf­mehl (Semen Sina­pis Pul­ver, Apo­the­ke) in eine grö­ße­re Plas­tik­schüs­sel oder eine Fuß­ba­de­wan­ne gegeben.

Senfmehl für ein Fußbad
3 Eßlöf­fel maximal

Anschlie­ßend den Warm­was­ser­hahn so lan­ge lau­fen las­sen, bis das Was­ser eine ange­neh­me Tem­pe­ra­tur hat (Kör­per­tem­pe­ra­tur bis 40° Cel­si­us!). Denn: Liegt die Tem­pe­ra­tur über 50 Grad, wird die Wir­kung des Senf­mehls zer­stört! Dann hand­war­mes Was­ser in die Schüs­sel mit Senf­mehl ein­lau­fen las­sen bis etwa zum Knö­chel (max. 10 cm hoch). Das Senf­mehl wird mit einem Löf­fel umge­rührt. Es sieht ein biss­chen wie Was­ser mit Heil­erde aus. Die Füße drei bis maxi­mal fünf Minu­ten rein­hal­ten. ACHTUNG: Nicht benut­zen, wenn die Haut irgend­wo ver­letzt ist (z. B. Bla­sen)! Das Senf­mehl brennt auf der Haut, es krib­belt und wird warm. Und ACHTUNG mit den Augen! Schon beim Sit­zen über der Schüs­sel kön­nen die äthe­ri­schen Senf­öle in die Augen stei­gen, was leicht bren­nen kann. Die Senf­öle bren­nen auch in den Atem­we­gen — also bit­te abso­lut vor­sich­tig und umsich­tig damit umge­hen! Wenn es unan­gehm ist, Füße ein­fach vor­her raus­neh­men. Die Füße maxi­mal 5 Minu­ten im Senf­mehl­was­ser las­sen. Dann ist wirk­lich genug!

Handwarmes Wasser für Senfmehl-Fußbad
Hand­war­mes Was­ser hin­zu geben

In der Lite­ra­tur gibt es auch Hin­wei­se auf Ver­bren­nun­gen der Haut durch unsach­ge­mä­ßes z. B. zu lan­ges Fuß­bad — sowas nicht aus­pro­bie­ren. Auch wenn das Gefühl besteht — ach, das könn­te noch ein biss­chen län­ger blei­ben! NEIN, denn viel hilft nicht viel. Es hat genü­gend Rei­zung statt­ge­fun­den. Dann die Füße raus­neh­men und GRÜNDLICH mit lau­war­mem Was­ser abspü­len. Nach­her hat es war­me, gut durch­blu­te­te und irgend­wie leicht bren­nen­de Füße.

Senfmehl für ein Fußbad
Gemah­le­nes, schwar­zes Senf­mehl aus der Apotheke

Das Senf­mehl-Fuß­bad wirkt durch die im Senf ent­hal­te­nen stark rei­zen­den Senf­öle. Es wird also bewusst ein ent­zün­dungs­ähn­li­cher Zustand her­vor­ge­ru­fen, der die  Durch­blu­tung und den Stoff­wech­sel ange­regt. Die hei­len­de Wir­kung, die von den Füßen zum Kopf geht, ent­steht über vege­ta­tiv reflek­to­ri­sche Rei­zun­gen. Das Senf­mehl-Fuß­bad ist gut bei Kopf­schmer­zen, anfan­gen­der Migrä­ne, Nasen­ne­ben­höh­len oder Erkäl­tung. Maxi­mal jeden Tag ein­mal durch­füh­ren und bit­te nur, wenn die Haut das mitmacht!

Wie bei allen natur­heil­kund­li­chen oder in die­sem Fal­le pflanz­li­chen Reiz-The­ra­pien gilt: Weni­ger ist mehr. Erst­mal aus­pro­bie­ren. 3 Ess­löf­fel sind genug, weder die Senf­mehl-Dosis erhö­hen, noch die Zeit­dau­er über­schrei­ten! Danach ein­fach hin­le­gen und aus­ru­hen, wenn mög­lich. Ent­span­nen ohne Fern­se­hen, Smart­phone oder sons­ti­ge Ablen­kung. Auch ein Schläf­chen ist gut, wenn es sich einstellt.

Senf – das har­te Mit­tel bei Nervenschmerzen

Senf ken­nen Sie ganz sicher als mit­un­ter ziem­lich scharf schme­cken­des Lebens­mit­tel. Die­se Schär­fe machen Sie sich auch bei Ner­ven­schmer­zen zunut­ze, zum Bei­spiel bei einem Band­schei­ben­vor­fall, bei Gür­tel­ro­se oder beim Res­t­­less-Legs-Syn­­­drom, wenn Ihre Bei­ne schmer­zen oder kribbeln.
  So wen­den Sie Senf­sa­men rich­tig als Brei­um­schlag an: Senf­sa­men kön­nen Sie am bes­ten in ver­mah­le­ner Form als Senf­mehl ein­set­zen. Geben Sie vier gestri­che­ne Ess­löf­fel (30 bis 35 Gramm) Senf­mehl in 150 bis 200 Mil­li­li­ter kal­tes oder lau­war­mes Was­ser und ver­rüh­ren Sie das Gan­ze zu einem Brei. Bit­te ver­wen­den Sie kein hei­ßes Was­ser, da Hit­ze die wich­ti­gen Enzy­me zer­stört. Strei­chen Sie den Brei mit einem stump­fen, läng­li­chen Gegen­stand, zum Bei­spiel mit einem Spa­tel, ent­we­der direkt auf Ihre Haut oder auf eine dop­pel­te Lage Küchen­rol­le (Zell­stoff) oder eine Kom­pres­se und dann auf die betrof­fe­ne Kör­per­stel­le. Las­sen Sie den Senf­sa­men­brei je nach per­sön­li­chem Emp­fin­den fünf bis 15 Minu­ten ein­wir­ken und ent­fer­nen Sie den Brei anschlie­ßend gründ­lich. Die Wir­kung der Senf­sa­men wird nach rund drei Minu­ten spür­bar. Wen­den Sie den Umschlag je nach Ver­träg­lich­keit bis zu vier­mal täg­lich an. Tages­do­sis für äuße­re Anwen­dung: 60 bis 240 Gramm.
  zitiert nach: Nadi­ne Ber­­ling-Aumann: Gesün­der leben mit Heil­pflan­zen für dum­mies. Wiley-VCH, Wein­heim, 2018 (bei Ama­zon kau­fen).

Autorin
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 13. Janu­ar 2017.
Bild­nach­weis
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 12.1.2017.
wei­te­re Infos
Senf: Scharf und gesund
Gril­len: Nichts geht ohne Senf
Viel­sei­ti­ger Senf
Senf sel­ber­ma­chen
• Mono­gra­phie BGA/BfArM (Kom­mis­si­on E): Sina­pis albae semen (Wei­ße Senf­sa­men). Bun­des­an­zei­ger: 1.2.1990, Heft 22a (Voll­text).
• Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel, Mono­gra­phie Sina­pis nigra. Thie­me, Dres­den, 1936 (Voll­text).
• Sieg­fried Bäum­ler: Heil­pflan­zen Pra­xis heu­te, Band 1 Arz­nei­pflan­zen­por­träts. Urban & Fischer, Mün­chen, 2012 (bei Ama­zon kau­fen).



Senf, schwar­zer und wei­ßer Sina­pis nigra und Sina­pis alba

Kreuz­blüt­ler

Wei­te­re Namen:

Sina­pis nigra: Brau­ner, Roter oder Grü­ner Senf, Hol­län­di­scher Senf, Fran­zö­si­scher Senf, Mos­ters­ad, Mostrich

Sina­pis alba: Ech­ter Senf, Eng­li­scher Senf, Gel­ber Senf, Gewürz-Senf, Gartensenf

Bota­nik und Systematik

Stamm­pflan­ze: Sina­pis nigra (L.) KOCH syn. Bras­si­ca nigra (L.) KOCH, B. brac­teo­loa­ta FISCH. et MEY., B. lan­ceo­la­ta SCHWEINF., B. sina­piuo­ides ROTH., Cru­ci­fera sina­pis E. H. L. KRAUSE sowie Sina­pis alba L. ssp. alba syn. Bras­si­ca hir­ta MOENCH, Eru­ca alba NOEL.

Bei den Senf-Arten han­delt es sich um Kreuz­blüt­ler (Fam. Bras­si­caceae), die im öst­li­chen Mit­tel­meer­ge­biet (S. alba) bzw. in Süd- und Mit­tel­eu­ro­pa, Asi­en, Nord- und Süd­ame­ri­ka (S. nigra) hei­misch sind. Als Kul­tur­pflan­zen sind sie welt­weit in gemä­ßig­ten Kli­ma­zo­nen ver­brei­tet. Die Pflan­zen bevor­zu­gen son­ni­ge bis halb­schat­ti­ge Stand­or­te mit humo­sen, kalk­hal­ti­gen Böden und aus­rei­chen­der Was­ser­ver­sor­gung. Sie sind anzu­tref­fen an Fluss­ufern und Äckern, an Weg­rän­dern und auf Schutt­plät­zen. Das ca. 1 m hohe, stark ver­zweig­te Kraut trägt gestiel­te, wech­sel­stän­dig ange­ord­ne­te, im unte­ren Stän­gel­be­reich leicht gefie­der­te, lei­er­för­mig gel­app­te, in der Mit­te gesäg­te und im obe­ren Bereich läng­li­che und unge­teil­te Blät­ter. Die vier­zäh­li­gen Blü­ten ste­hen in locke­ren Dol­den­trau­ben. Die Blü­te­zeit ist im Som­mer und Herbst. Die als Dro­ge ver­wen­de­ten Samen sind in lan­gen, am Stän­gel anlie­gen­den Scho­ten ent­hal­ten. Der Wei­ße Senf besitzt schwert­för­mi­ge, drei- bis sie­ben­ner­vi­ge, abste­hen­de, etwa 2–5 cm lan­ge Scho­ten mit ver­schmä­ler­tem Schna­bel. Die Samen­kör­ner sind hell­gelb. Der Schwar­ze Senf hat 10–20 mm lan­ge faden­för­mi­ge Scho­ten, sei­ne Samen sind klei­ner als die des Wei­ßen Senfs und von rot­brau­ner Far­be. Sein Geschmack ist schär­fer als der der wei­ßen Art. Er wird zur Her­stel­lung des Senf­öls und für Auf­la­gen und Bäder verwendet.

Aus der Gat­tung Bras­si­ca, die ca. 40 Arten umfasst, fin­den zahl­rei­che Ver­tre­ter medi­zi­ni­sche Ver­wen­dung oder die­nen als Nah­rungs­pflan­ze. Ihnen allen ist der Gehalt an Glu­co­si­no­la­ten, den Senf­öl­gly­ko­si­den, wie sie frü­her genannt wur­den, gemein­sam. Für die die Dro­ge Sina­pis nigrae semen wird als Stamm­pflan­ze auch der Indi­sche Senf (Bras­si­ca jun­cea (L.) CZERN.), der ursprüng­lich in Zen­tral- und Ost­asi­en behei­ma­tet war und mitt­ler­wei­le über wei­te Tei­le der Welt ver­schleppt ist, zuge­las­sen. Als Nah­rungs­mit­tel die­nen der Raps (B. napus L. emend. METZGER), der Gar­ten- oder Gemü­se­kohl (B. ole­racea L.) mit sei­nen zahl­rei­chen Varie­tä­ten (Weiß­kohl, Rosen­kohl, Blu­men­kohl, Kohl­ra­bi, Wir­sing, Grün­kohl), und Rüben­reps oder Rüb­sen (Bras­si­ca rapa L. emend. MENTZG.).

All­ge­mei­nes

Senf wird seit dem Alter­tum als Heil- und Nah­rungs­pflan­ze ein­ge­setzt; angeb­lich hat Äsku­lap ihn erst­ma­lig ent­deckt. Fun­de im Irak aus der sume­ri­schen Zeit wei­sen aber auf eine noch frü­he­re Ver­wen­dung hin. In der Anti­ke wur­den bereits meh­re­re Arten unter­schie­den. Der Wei­ße Senf wur­de von Dio­s­ku­r­i­des als Umschlag oder Pflas­ter bei inne­ren Rei­zun­gen ein­ge­setzt. Fer­ner emp­fahl er ihn bei Epi­lep­sie, Leber- und Milz­lei­den, Haar­aus­fall sowie wei­te­ren Anwen­dungs­ge­bie­ten. Para­ly­se und Pleu­ri­tis waren zur dama­li­gen Zeit eben­falls Indi­ka­tio­nen. Bei den Römern war Senf oder Mostrich als Nah­rungs­mit­tel sehr beliebt. Er wur­de bei­spiels­wei­se als Gewürz in den Wein gege­ben. Die Senf­pflan­ze wur­de auch als Gemü­se verzehrt.

Nörd­lich der Alpen wer­den die Senf­kör­ner bei­der Arten erst seit dem Mit­tel­al­ter als Gewürz ver­wen­det, wobei sie ganz oder leicht zer­drückt geges­sen wur­den. Viel­fäl­tig waren die Anwen­dungs­ge­bie­te des Senfs: Der Schwar­ze Senf dien­te bei­spiels­wei­se zur Anre­gung des Appe­tits, zur Klä­rung der Stim­me und bei Haar­aus­fall, der Wei­ße Senf wur­de bei Atem­not, Epi­lep­sie, hys­te­ri­schen Anfäl­len, Ohren­sausen und vie­lem mehr ein­ge­setzt. Bock bezeich­ne­te ihn als zer­tei­lend, aus­zie­hend, hirn­rei­ni­gend, magen­stär­kend, ver­dau­ungs­för­dernd, aphro­di­sia­kisch und fie­ber­wid­rig. Man schrieb ihm auch eine Stär­kung der See­len­kräf­te zu.

Eine Erklä­rung für den Gat­tungs­na­men „Sina­pis“ liegt in der Her­lei­tung von „sinos = schäd­lich“ und „ops = Auge“, was sich auf die Rei­zung der Augen durch die ent­hal­te­nen Scharf­stof­fe bezieht. „Albus = weiß“ und „nigra = schwarz“ bezie­hen sich auf die Far­be des Samens. Der syn­onym ver­wen­de­te Gat­tungs­na­me „Bras­si­ca“ stammt vom latei­ni­schen „prae­seca­re“ und bedeu­tet „vor­weg­schnei­den“, denn in frü­he­ren Zei­ten wur­den die Blät­ter als Vieh­fut­ter abgeschnitten.

Das deut­sche Wort „Senf“ ist eine Ablei­tung des latei­ni­schen Worts „sina­pis“ und hat im gro­ßen Maß­stab Ein­gang in die Umgangs­spra­che gefun­den. „Sei­nen Senf dazu­ge­ben“ (unge­fragt sei­ne Mei­nung äußern), „den Senf über­zu­ckern“ (unan­ge­neh­me Wahr­hei­ten schön umklei­den), „es steigt einem der Senf in die Nase“ (wenn der Humor eine gewis­se Gren­ze über­schrei­tet) sind nur eini­ge Bei­spie­le dafür.

Dro­ge und Dosierung

Wei­ßer Senf­sa­men (Sina­pis albae semen syn. Eru­cae semen). Posi­tiv-Mono­gra­phie der Kom­mis­si­on E. Schwar­zer Senf­sa­men (Sina­pis nigrae semen). Kei­ne Monographie.

Der Wei­ße Senf­sa­men wird nach der Blü­te, die im Juni und Juli statt­fin­det, geern­tet. Die Ern­te fin­det nach dem Abster­ben der Stän­gel und Blät­ter statt, wenn die Samen in den Scho­ten klap­pern. Unzer­klei­nert ist der Senf geruch­los, nach dem Anrüh­ren des zer­klei­ner­ten Samens mit Was­ser ent­steht rasch der cha­rak­te­ris­ti­sche Geruch nach Senf­öl. Im Geschmack ist er anfangs mild ölig und schwach säu­er­lich, anschlie­ßend bren­nend scharf. Impor­tiert wird die Dro­ge aus Ost­eu­ro­pa, v. a. Polen und Rumä­ni­en, sowie der Tür­kei, Indi­en, Paki­stan und China.

Zur äuße­ren Anwen­dung wer­den vom Wei­ßen Senf für einen Umschlag oder ein Kata­plas­ma 4 EL Pul­ver­dro­ge mit war­mem Was­ser ange­rührt, für ein Fuß­bad 20–30 g Senfmehl/l Was­ser bzw. für ein Senf­bad 150 g in einem Beu­tel dem Bade­was­ser zuge­ge­ben. Vom Schwar­zen Senf wer­den für Umschlä­ge und Kata­plas­men 100 g Senf­mehl mit lau­war­mem Was­ser ange­rührt. Lösun­gen, Sal­ben und ande­re Ein­reib­e­mit­tel 1- bis 3‑prozentig mit Allylsenföl.

Kin­der­do­sie­run­gen: Dosie­run­gen zur äußer­li­chen Anwen­dung bei Kin­dern Kap. 1.5. Kei­ne Anwen­dung bei Kin­dern 6 Jahren. 

Inhalts­stof­fe und Wirkungen

Bei­de Senf­sa­men ent­hal­ten in ers­ter Linie viel fet­tes Öl (Tri­gly­ze­ride unge­sät­tig­ter Fett­säu­ren, v. a. der Eruca‑, Öl- und Lin­ol­säu­re, 20–45 % im Wei­ßen Senf, 30–35 % im Schwar­zen Senf) und als wirk­sam­keits­be­stim­men­de Inhalts­stof­fe Glu­co­si­no­la­te – im Wei­ßen Senf Sinal­bin (2,5–5 %) mit dem durch enzy­ma­ti­sche Spal­tung ent­ste­hen­den nicht­flüch­ti­gen Hydro­xy­ben­zyl­senf­öl (= Hydro­xy­ben­zyl­isothio­cya­nat), im Schwar­zen Senf domi­nie­rend Sinig­rin (1–4,5 %), aus dem das flüch­ti­ge Allyl­senf­öl ent­steht. Aus ca. 1,0–1,2 % Sinig­rin ent­steht in etwa 0,7 % flüch­ti­ges Allyl­senf­öl (nach ÖAB und Ph. Helv. mind. 0,7 %, nach DAC mind. 0,4 % Allyl-isothio­cya­nat). Wei­te­re Inhalt­stof­fe sind 20 % Schleim­stof­fe, Phe­nyl­pro­pan­de­ri­va­te (bis 1,2–2 % Sina­pin), Fla­vo­no­ide, phe­n­o­li­sche Ver­bin­dun­gen, bes. Tan­ni­ne und Gal­lus­säu­re, sowie Tri­ter­pe­ne, Ste­ro­le (u. a. ß‑Sitosterol, Cam­pes­te­rol) und Proteine.

Durch Ver­rei­ben der Kör­ner wird die im Kom­par­ti­ment ent­hal­te­ne, von den Glu­co­si­no­la­ten räum­lich getrenn­te Myro­si­na­se frei­ge­setzt, wel­che die enzy­ma­ti­sche Spal­tung in Gang setzt. Dadurch wer­den die haut­rei­zen­den, hyper­ämi­sie­ren­den Senf­öle frei­ge­setzt, die über den „counter-irritant“-Effekt eine anti­phlo­gis­ti­sche und anal­ge­ti­sche Wir­kung ver­mit­teln. Zudem wirkt Senf­sa­men anti­mi­kro­biell – Allyl­senf­öl ist u. a. bak­te­rio­sta­tisch gegen Sta­phy­lo­coc­cus aureus und E. coli – und gering fun­gi­sta­tisch. Sinal­bin und eini­ge Spalt­pro­duk­te von Glu­co­si­no­la­ten schei­nen anti­kar­zi­no­ge­ne Wir­kung zu besit­zen. Sie indu­zie­ren (bei der Maus) die Chi­non­re­duk­ta­se, ein Enzym, das die Akti­vie­rung eini­ger Kar­zi­no­ge­ne ver­hin­dern kann. Bei inner­li­cher Anwen­dung zei­gen sich appe­tit­an­re­gen­de, ver­dau­ungs- und sekre­ti­ons­för­dern­de sowie abfüh­ren­de Eigenschaften.

Indi­ka­tio­nen

Senf­sa­men kom­men in Form von Kata­plas­men zur Anwen­dung bei Katar­rhen der Luft­we­ge wie Sinu­s­it­i­den oder aku­ten Bron­chit­i­den sowie auch Bron­chopneu­mo­nien. Glei­ches gilt für chro­nisch-dege­ne­ra­ti­ve Gelenk­er­kran­kun­gen und Weich­teil­rheu­ma­tis­mus wie Fibro­my­al­gie. Bei äuße­rer Anwen­dung, z. B. aku­ter Lum­ba­go oder Ischi­al­gie, kommt es zu einer deut­li­chen Lin­de­rung der Schmerz­sym­pto­ma­tik und Rela­xa­ti­on der Mus­ku­la­tur – in Ita­li­en wur­den in der Volks­heil­kun­de auch Brei­um­schlä­ge aus Senf­sa­men, ein­ge­legt in Wein­essig, zusam­men mit ande­ren Scharf­stoff-hal­ti­gen Pflan­zen wie Cayenne­pfef­fer, Meer­ret­tich oder Ranun­cu­lus-Arten zube­rei­tet. Auch bei Neur­al­gi­en ist die äußer­li­che Appli­ka­ti­on mög­lich. Appli­ka­ti­ons­for­men sind dane­ben Voll- und Fuß­bä­der, Letz­te­re bei­spiels­wei­se bei Hyper­to­nie oder kon­ges­ti­ven Kopfschmerzen.

In der Volks­me­di­zin wer­den die Senf­kör­ner in Form von Senf­ku­ren bei Beschwer­den im Magen-Darm-Trakt ein­ge­setzt, v. a. bei Völ­le­ge­fühl, Sod­bren­nen, Gal­len­wegs­ent­zün­dung und Wurm­krank­hei­ten – 10–14 Tage lang wer­den etwa 10 Kör­ner mit wenig Was­ser nach dem Essen ein­ge­nom­men. Auch zur Auf­hel­lung der Stim­me sol­len die Kör­ner dienen.

Neben­wir­kun­gen

Bei län­ge­rer Appli­ka­ti­on kommt es an der betrof­fe­nen Haut­stel­le zur Bla­sen­bil­dung, oft mit eitern­den, schlecht hei­len­den Ulzer­a­tio­nen und Nekro­sen. Bei einer Anwen­dung über mehr als zwei Wochen kann es zu Rei­zun­gen des Nie­ren­epi­thels kommen.

Wech­sel­wir­kun­gen

Kei­ne bekannt.

Kon­tra­in­di­ka­tio­nen

Schwe­re Kreis­lauf­schä­di­gun­gen, Nie­ren­er­kran­kun­gen, Krampf­adern und ande­re Venen­lei­den, Kin­der unter 6 Jahren.

Dar­rei­chungs­for­men und Zubereitungen

Kata­plas­men, Umschlä­ge, Sal­ben, Lösun­gen, Voll­bä­der, Fußbäder.

Sieg­fried Bäum­ler: Heil­pflan­zen Pra­xis heu­te, Band 1 Arz­nei­pflan­zen­por­träts. Urban & Fischer, Mün­chen, 2012.

13 Gedanken zu „Senf­mehl-Fuß­bad: Bei Erkäl­tung, Kopf­schmer­zen, Sinusitis“

  1. Hal­lo Linda,

    eine ein­fa­che Fra­ge, aber doch — für mich — nicht ganz ein­fach zu beantworten.

    In der Land­wirt­schaft wird Senf als Gründün­ger benutzt, weil das Wachs­tum der Pflan­ze vor­teil­haft den Boden ver­än­dert. Und des­halb sicher nicht das Wachs­tum der Fol­ge­pflan­zen stört. Unklar ist natür­lich, in wel­chem Umfang jeweils Inhalts­stof­fe von Senf in den Boden gelan­gen — bei dem Senf­mehl-Auf­guss bzw. der Gründüngung.

    Klar ist nur fol­gen­des: Mit einem aus Senf­mehl her­ge­stell­ten Prä­pa­rat (Tille­cur®) wird in der Öko­land­wirt­schaft Saat­gut vor der Aus­saat behan­delt, damit es z. B. nicht von schäd­li­chen Pil­zen befal­len wird. Aus die­sem Saat­gut wach­sen dann spä­ter unse­re Getrei­de. Kurz­um: So pro­ble­ma­tisch kann das alles nicht sein…

    Mei­ne Idee: Pro­bie­re es ein­fach mit Pflan­zen eines Blu­men­top­fes aus. Wach­sen und gedei­hen die auch über Wochen mun­ter wei­ter, kannst Du wohl das Senf­mehl­ba­de­was­ser zum Gie­ßen benutzen.

    Lie­be Grüße,
    Rainer

  2. Kann man das Was­ser vom Senf­mehl-Fuß­bad zum Blu­men oder Bal­kon­kräu­ter gie­ßen nut­zen? Denn bei täg­li­cher Anwen­dun­gen ist es schon star­ke Wasserverschwendung.

  3. Hal­lo zusammen,
    ich benut­ze schw. Senf­mehl seit 20 Jahren.
    Hat­te damit immer gute Erfolge.
    Trotz­dem konn­te ich hin­sicht­lich der Mischung von Was­ser und Senf­mehl noch etwas dazulernen.
    Dan­ke für dei­ne Erklärungen.
    Wie­der ein Beweis: die Natur kann sooo viel.
    Scha­de, dass vie­le sie nicht nut­zen oder sogar mut­wil­lig zerstören.

    Lie­be Grü­ße von Kat­rin aus Berlin

  4. Arzt hat mir Senf­mehl für Fuß­bad emp­foh­len. Habe seit ges­tern Abend Kopf­weh. Die Beschrei­bung ist per­fekt und läßt kei­ne Fra­gen offen. Ich bin gespannt wie das bei mir wirkt. Vie­len Dank für die­se Beschrei­bung. Ich hät­te ger­ne gelik­ed; mel­de mich dafür aber nicht bei Herrn Zucker­berg an.

  5. Lie­be Ange­li­ka, bei Ris­sen und Schrun­den ist Senf­mehl über­haupt nichts! Das wür­de nur unwahr­schein­lich weh tun. Senf­mehl geht nur bei ganz gesun­der Haut und auch dann ist die Rei­zung sehr hoch. Lie­ber nach etwas ande­rem schauen.

  6. Ich wür­de die­ses Fuß­bad ger­ne bei Migrä­ne ein­set­zen, habe aber wegen tro­cke­ner Haut oft Schrun­den und Ris­se in den Fer­sen. Kann ich es den­noch aus­pro­bie­ren ggf. kür­zer oder soll ich eher nach etwas ande­rem schauen?

  7. Hal­lo H. Jung,
    dan­ke erst­mal für Ihr Inter­es­se. Das freut mich natür­lich. Nur gebe ich kei­ne News­let­ter her­aus. Wenn Sie mögen und bei Face­book mit­ma­chen, kön­nen Sie uns unter
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    errei­chen. Dort gibt es die Mög­lich­keit zu abon­nie­ren. Dann wer­den Sie immer auto­ma­tisch über die neu­en Bei­trä­ge infor­miert, die auch dort in aller Kür­ze mit ein­ge­stellt werden.
    Vie­le Grüße

  8. Hal­lo,
    ich kom­me auf die­se Dau­er, weil die Dosie­rung höher ist. Außer­dem müs­sen die Anwen­den­den ohne­hin schau­en, wie ihre Haut reagiert. Das sind unge­fäh­re Anga­ben, aber das muss ich wohl noch genau­er her­aus­stel­len. Dan­ke für den Hinweis.

  9. Auf ande­ren Inter­net­sei­ten fin­det man eine nied­ri­ge­re Dosie­rung und eine viel län­ge­re Dau­er des Bades (10–15 min.).
    Wie kom­men Sie auf maxi­mal 5 Minuten?

    Gez. Dr. Meddl Loide

  10. Ja, medi­zi­ni­sche Anwen­dun­gen haben Tem­pe­ra­tu­ren von 35–38° Cel­si­us. Bit­te aus­pro­bie­ren! Und wenn es nicht gut­tut sofort abbre­chen, bitte!

  11. Ich lei­de unter Kopf­schmer­zen und mir hat ein Fuß­bad mit Senf­mehl schon oft gehol­fen. Ich wuß­te aber nicht, dass das Was­ser nicht so heiß sein soll­te. Dar­auf wer­de ich dem­nächst achten.

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