Hei­del­beer­zwei­ge gehö­ren nicht in Blumensträuße

Heidelbeerzweige
Hei­del­beer-Zwei­ge in Blu­men­sträu­ßen müs­sen nicht sein!

In vie­len Blu­men­lä­den wer­den zur Zeit Hei­del­beer­zwei­ge als deko­ra­ti­ves, grü­nes Bei­werk für Blu­men­sträu­ße ver­kauft. Die dun­kel­grü­nen, kan­ti­gen Stän­gel wer­den sogar büschel­wei­se auf Märk­ten ange­bo­ten. Gehts noch? Das sind Heil­pflan­zen kei­ne Deko­ra­ti­on oder bil­li­ges Blumengrün!

Heidelbeerblüten
Hei­del­beer­blü­ten

Ich wer­de rich­tig sau­er, wenn ich dar­über nach­den­ke. Denn bei dem mas­sen­wei­sen Ver­kauf müs­sen vie­le Men­schen in die Wäl­der gehen und Hei­del­beer­grün büschel­wei­se rup­fen. Sicher, das Hei­del­beer­grün ist schick und deko­ra­tiv, aber es wird in Blu­men­sträu­ße gebun­den, die nach dem Ver­blü­hen auf dem Müll lan­den. Die­se Über­fluss­ge­sell­schaft treibt wirk­lich ein schlim­mes Unwe­sen! Die Wäl­der wer­den ohne Sinn und Ver­stand wert­vol­ler Heil­pflan­zen beraubt. Denn zum einen die­nen die grü­nen, dicht­wach­sen­den Zwei­ge, Klein­tie­ren wie Käfern, Spin­nen und auch klei­nen Vögeln als Unterschlupf.

Bit­te kei­ne Hei­del­beer­zwei­ge als Blu­men­schmuck kaufen!

Zum ande­ren trei­ben spä­ter klei­ne Blätt­chen wie hel­le, unschein­ba­re Blü­ten aus. Letz­te­re ent­wi­ckeln sich zum Herbst hin zu klei­nen, köst­li­chen Früch­ten aus. Auch wenn die Men­schen sich nicht die Mühe machen, die ech­ten Hei­del­bee­ren im herbst­li­chen Wald selbst zu sam­meln, so sind die Bee­ren eine wich­ti­ge Fut­ter­quel­le für Vögel und Klein­tie­re. Und nicht zuletzt: Hei­del­bee­ren haben eine medi­zi­ni­sche Wir­kung. Des­halb: Bit­te kei­ne Hei­del­beer­zwei­ge als Blu­men­schmuck kau­fen! Sie sol­len lie­ber mit ihrem Wachs­tum nach­hal­tig den Wald besie­deln und Men­schen wie Tie­ren wei­ter­hin Gutes tun.

Anwen­dung

Volks­tüm­li­che Anwen­dung: Bei Beschwer­den im Magen-Darm-Bereich, Erkran­kun­gen der ablei­ten­den Harn­or­ga­ne, rheu­ma­ti­schen Beschwer­den, Haut­lei­den, Hämor­rhoi­da­l­er­kran­kun­gen sowie zur Unter­stüt­zung der Behand­lung von Dia­be­tes mel­li­tus Typ II. Zur Tee­zu­be­rei­tung ver­wen­det man als Ein­zel­ga­be 1 g (1 Tee­löf­fel ca. 0,6 g) fein zer­schnit­te­ne Dro­ge. 2. Myr­til­li fruc­tus (syn. Fruc­tus Myr­til­li, Bac­cae Myr­til­li, Bac­cae Myr­til­lorum); Hei­del­bee­ren, die rei­fen, getrock­ne­ten Früchte.
Medi­zi­ni­sche Anwen­dung: Zur unter­stüt­zen­den The­ra­pie unspe­zi­fi­scher Durch­fall­erkran­kun­gen, bes. bei Schul­kin­dern. Tages­do­sis ca. 20–60 g Dro­ge. Äußer­lich als Abko­chung zur loka­len The­ra­pie leich­ter Ent­zün­dun­gen im Mund-Rachenraum.

Geschicht­li­ches

Die Ver­wen­dung der Hei­del­bee­ren als Heil­mit­tel geht auf das 12. Jahr­hun­dert zurück (Hil­de­gard von Bin­gen), frü­he­re Anga­ben über die Ver­wen­dung bei Dio­s­ku­r­i­des sind nicht gesi­chert. Vor allem als Mit­tel gegen Durch­fäl­le wur­den die Früch­te viel­sei­tig in der Volks­heil­kun­de ein­ge­setzt und waren auch bei Bauch­ty­phus in Gebrauch. Der Gat­tungs­na­me ist latei­ni­schen Ursprungs und geht zurück auf bac­ci­ni­um (Bee­ren­strauch, von bac­ca, Bee­re) wegen der Bee­ren­frucht.
Quel­le: Karl Hil­ler, Mat­thi­as F. Melzig: Lexi­kon der Arz­nei­pflan­zen und Dro­gen. Kapi­tel Vac­ci­­ni­um-Arten. Spek­trum Aka­de­mi­scher Ver­lag, Ber­lin und Hei­del­berg, 2003 (bei Ama­zon kau­fen).

Autorin
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 18.2.2013.
Bild­nach­weis
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 14.3.2013.
wei­te­re Infos
• Mono­gra­phie BGA/BfArM (Kom­mis­si­on E): Myr­til­li foli­um (Hei­del­beer­blät­ter). Bun­des­an­zei­ger 23.4.1987 (76). Gesamt-Bewer­­tung: nega­tiv, Voll­text.
Tee­re­zept: Getrock­ne­te Heidelbeeren
• Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel (Kapi­tel Mono­gra­phie Myrt­il­lus / Hei­del­bee­re). Thie­me, Dres­den, 1936 (Voll­text).
Tee­re­zept: Getrock­ne­te Heidelbeerblätter
• Clau­dia Rit­ter: Hei­mi­sche Nah­rungs­pflan­zen als Heil­mit­tel. Gemü­se, Früch­te und Getrei­de – von Acker­boh­ne bis Zwie­bel Pflan­zen­kun­de, Heil­an­wen­dun­gen und Rezep­te. AT Ver­lag, Aar­au und Mün­chen, Dez. 2013 (bei Ama­zon kau­fen).



Hei­del­bee­re
Vac­ci­ni­um myrtillus

Volks­mund: »In der Hei­del­beer­ern­te kann der Arzt auf Urlaub gehen.«

Mytho­lo­gie, Wissenswertes

Nach Hein­rich Mar­zell sol­len vor allem die Bewoh­ner des Ober­pfäl­zer und die des angren­zen­den Böh­mi­schen Wal­des die am Jaco­bi­tag (25. Juli) geern­te­ten Schwarz­bee­ren für beson­ders heil­kräf­tig hal­ten. Ähn­lich ver­hält es sich im All­gäu für die in der Zeit zwi­schen Maria Him­mel­fahrt (15. August) und Maria Geburt (8. Sep­tem­ber) geern­te­ten Bee­ren. In Ober­ös­ter­reich ging die Sage um, dass die Hei­del­bee­ren dort die Erde bede­cken, wo das Volk der Zwer­ge ein- und aus­schlüpft. Da Zwer­ge bekannt­lich häu­fig Schät­ze behü­ten, muss es in ihrer Nähe auch einen sol­chen geben (MARZELL 1938).

Nicht nur im alten Rom nutz­te man die Fär­be­kraft der Hei­del­bee­ren für Gewän­der. Wie uns Adam Lonit­zer (1679) berich­te­te, wur­de der Hei­del­beer­saft mit Alaun und Gall­äp­fel gemischt, um dar­aus eine blaue Tin­te her­zu­stel­len, die im 16. Jahr­hun­dert noch die kunst­voll beschrie­be­nen und bemal­ten Bücher verzierte.

Syn­ony­me und Namensdeutung

Volks­na­men: Angel­bee­re, Bick­bee­re, Blau­bee­re, Hasel­bee­re, Heel­bee­re, Heil­bee­re, Krack­bee­re, Krä­hen­au­ge, Mehl­bee­re, Moll­bee­re, Most­bee­re, Pech­bee­re, Pick­bee­re, Schwarz­bee­re, Stau­del­bee­re, Tau­bee­re, Wald­bee­re, Wald­hei­del­bee­re, Wild­bee­re, Zeckbeere

Hei­del­bee­re lei­tet sich vom alt­hoch­deut­schen heit­pe­ri oder heid­beeri ab und bedeu­tet so viel wie »auf der Hei­de wach­sen­de Bee­re«. Der wis­sen­schaft­li­che Gat­tungs­na­me Vac­cinum soll eine Ver­fäl­schung von bac­ci­cinum für »Bee­ren­strauch« sein. Myrt­il­lus ist nach KROEBER (1934) die Ver­klei­ne­rungs­form von myr­thus, »Myr­the«, mit der die Hei­del­bee­re eine gewis­se Ähn­lich­keit aufweist.

Aus alten Kräuterbüchern

Da die heil­wirk­sa­men Bee­ren nur nörd­lich der Alpen hei­misch sind, fin­det man auch kei­ne Beschrei­bung der grie­chi­schen, römi­schen oder ara­bi­schen Ärz­te. Die frü­hes­te Auf­zeich­nung im deutsch­spra­chi­gen Raum stammt wohl von der Ordens­frau Hil­de­gard von Bin­gen. War­um sie die Frucht als schäd­lich bezeich­ne­te und schrieb, dass sie oben­drein noch Gicht ver­ur­sa­chen kön­ne, lässt sich heu­te nicht mehr nachvollziehen.

Die meis­ten der bota­nisch-medi­zi­ni­schen Klas­si­ker des Mit­tel­al­ters wis­sen nur wenig von der Heil­kraft der Hei­del­bee­re zu berich­ten. Auf­fäl­lig ist, dass in den Kräu­ter­bü­chern der Hin­weis auf die heu­te so gebräuch­li­che Ver­wen­dung gegen Durch­fall­erkran­kun­gen nur in einem Neben­satz bei Taber­naemon­ta­nus erwähnt wird. Er bezeich­ne­te die Pflan­ze als »kalt und tru­cken im andern Grad / truck­nen ein wenig zusam­men«. Er sah die Anwen­dung der Hei­del­bee­re eher »wenig in der Arz­ney / denn mehr ein Speis der jun­gen Kin­der und der Vögel. Jedoch kann man sie gebrau­chen wider die gro­ße Hitz des Magens und der Fie­ber / dann sie küh­len / löschen den Durst. Und die­weil sie zusam­men zie­hen / kan man sie gebrau­chen wider das Wür­gen und Bre­chen des Magens / und wider die Bauch­flüß (Duch­fall)« (1731).

Hei­del­bee­ren gel­ten als »Apo­the­ke auf kleins­tem Raum«.

Wäh­rend die fri­schen Bee­ren leicht abfüh­rend wir­ken, haben die getrock­ne­ten Bee­ren die Eigen­schaft, alle Arten von Durch­fäl­len zu heilen.

Para­cel­sus nutz­te sie als »gift­wid­ri­ges Mit­tel« (RIPPE/MADEJSKI 2009) und Adam Loni­ce­rus pries die »Heydelbeer«-Blätter und die Frucht bei Bla­sen- und Gal­len­stei­nen, den Saft bei Mund­fäu­le (Skor­but). Er führ­te auch eini­ge Rezep­te mit der gepul­ver­ten Wur­zel zur Behand­lung von »fau­len­den« Wun­den an.

Pflan­zen­kun­de

Zur Fami­lie der Hei­de­kraut­ge­wäch­se (Eri­caceae) zählt auch die Hei­del­bee­re, die fast auf der gan­zen nörd­li­chen Halb­ku­gel hei­misch ist. Die som­mer­grü­nen und stark ver­zweig­ten Halb­sträu­cher wer­den nur maxi­mal 40 Zen­ti­me­ter groß und bil­den in den Wäl­dern Mit­tel- und Nord­eu­ro­pas oft dich­te Bestän­de. Sie brau­chen einen feuch­ten, humus­rei­chen und sau­ren Boden und sind bis in die Zwerg­strauch­re­gi­on von 2500 Metern Höhe anzu­tref­fen. Die nur bis zu drei Zen­ti­me­ter gro­ßen, wech­sel­stän­dig und ellip­tisch ange­ord­ne­ten Blät­ter ähneln etwas den Buchs­baum­blät­tern und ste­hen an reich ver­äs­tel­ten und scharf­kan­ti­gen Stän­geln. Die bes­te Ern­te­zeit der gerb­stoff­rei­chen Blät­ter sind die Som­mer­mo­na­te. Je nach Wit­te­rung trei­ben die ers­ten Glo­cken­blü­ten ab April, aus denen sich die kuge­li­gen, dun­kel­blau­en Wild­früch­te ent­wi­ckeln, die ab Juli ern­te­reif sind. Die Bee­re selbst wird nur bis zu sechs Mil­li­me­ter groß, was eine ertrag­rei­che Ern­te sehr müh­se­lig macht.

Kul­tur­hei­del­bee­ren sind eine Erfin­dung des 20. Jahr­hun­derts. Der Han­del bie­tet die bis zu einem Meter hohen Sträu­cher zum Anbau im eige­nen Gar­ten an. Deren deut­lich grö­ße­re Früch­te haben nur lei­der an Aro­ma und Inhalts­stof­fen ver­lo­ren, sind jedoch im Herbst wegen ihrer leuch­tend gold­rot bis blut­rot gefärb­ten Blät­ter eine Augenweide.

»Schwarz­bee­ren« schme­cken aro­ma­tisch-herb und doch süß. Gedörrt duf­ten sie nach Rosen – so beschrieb sie zumin­dest der Kräu­ter­pfar­rer Johann Künz­le (1945). Wer die Bee­ren heim­lich genascht hat, wird sofort durch eine tief­ro­te bis blau­schwar­ze Zun­ge entlarvt.

Inhalts­stof­fe

Bee­ren: 84 g Was­ser, 0,6 g Eiweiß, 0,6 g Fett, 6,1 g Koh­len­hy­dra­te (Fruc­to­se, Glu­co­se, Sac­cha­ro­se), 5 g Bal­last­stof­fe, 0,3 g Mine­ral­stof­fe und Spu­ren­ele­men­te (Kali­um, Cal­ci­um, reich­lich Man­gan, Eisen, Zink, Kup­fer, Chrom), das Pro­vit­amin A, B‑Vitamine, reich­lich Vit­amin E und C, orga­ni­sche Säu­ren (Apfel­säu­re, Zitro­nen­säu­re, Wein­säu­re), Gerb­stof­fe, Fla­vo­no­ide (Anthocyane/Myrtilin), Pektin

Blät­ter: Cate­chin­gerb­stof­fe, Fla­vo­no­ide (Querce­tin), Phe­nol­car­bon­säu­ren, Arbu­tin, Alka­lo­ide, Man­gan, Chrom

Heil­wir­kung und ‑anwen­dung

Als »Apo­the­ke auf kleins­tem Raum« wer­den die wohl­schme­cken­den und vita­li­sie­ren­den Bee­ren manch­mal bezeich­net. Wäh­rend die fri­schen Bee­ren durch­aus leicht abfüh­rend wir­ken, haben die getrock­ne­ten, gerb­stoff­rei­chen Bee­ren die Haupt­ei­gen­schaft, alle Arten von Durch­fäl­len, Gärungs- und Fäul­nis­dys­pep­sien zu hei­len und chro­nisch ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen wie Mor­bus Crohn und Coli­tis ulce­ro­sa zu lin­dern. Dazu gehö­ren auch Schä­di­gun­gen der Darm­schleim­haut, wie sie bei Krebs­pa­ti­en­ten durch Strah­len- oder Che­mo­the­ra­pie vor­kom­men. Kin­der und Erwach­se­ne kön­nen die getrock­ne­ten Bee­ren kau­en, für die Anwen­dung bei Klein­kin­dern wird ein Tee aus den getrock­ne­ten Bee­ren empfohlen.

Hei­del­beer­saft oder ‑tee fes­tigt ent­zün­de­te und wun­de Gewe­be­ober­flä­chen und wird bei Ent­zün­dun­gen des Mund- und Rachen­be­reichs und bei Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen gegur­gelt oder getrun­ken sowie äußer­lich zur beschleu­nig­ten Wund­hei­lung vor allem bei näs­sen­den und jucken­den Ekze­men und bei Akne auf­ge­tupft. Nur muss man beach­ten, dass der Saft stark färbt – eine Eigen­schaft, die schon vor fast zwei­tau­send Jah­ren genutzt wur­de, um mit den gefärb­ten Gewän­dern römi­sche Skla­ven zu kennzeichnen.

Je nach Wit­te­rung trei­ben die ers­ten Glo­cken­blü­ten der Hei­del­bee­re ab April aus. Aus ihnen ent­wi­ckeln sich die kuge­li­gen, dun­kel­blau­en Wildfrüchte.

Die unter der Frucht­scha­le lie­gen­den blau­en Farb­stof­fe (Antho­cya­ne) zäh­len zu den sekun­dä­ren Pflan­zen­stof­fen und sind sowohl in den fri­schen als auch in den getrock­ne­ten Bee­ren vor­han­den. Zahl­rei­che Stu­di­en bele­gen die schüt­zen­de Wir­kung vor allem auf die Blut­ge­fä­ße und die vor­beu­gen­de Wir­kung gegen Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Blut­hoch­druck. Außer­dem sind sie bei Nacht­blind­heit und fort­schrei­ten­der Kurz­sich­tig­keit wirk­sam, da sie die Akti­vi­tät der Netz­haut­enzy­me stei­gern und eine schnel­le­re Rege­ne­ra­ti­on des Seh­pur­purs bewir­ken. Die­se Erkennt­nis war zunächst rein empi­ri­scher Natur, als man im Zwei­ten Welt­krieg beob­ach­te­te, dass sich Pilo­ten, die regel­mä­ßig Hei­del­beer­mar­me­la­de aßen, bes­ser im Dunk­len ori­en­tie­ren konnten.

Von die­sem Wirk­spek­trum pro­fi­tie­ren auch Dia­be­ti­ker, die zu einer dia­be­ti­schen Reti­no­pa­thie nei­gen. Die­se Schä­di­gung klei­ner Blut­ge­fä­ße ent­steht durch eine anor­mal erhöh­te Syn­the­se von Bin­de­ge­we­ben mit der Fol­ge von Gefäß­aus­wei­tun­gen und Gefäß­ver­schlüs­sen und führt im schlimms­ten Fall zu Erblindung.

Hei­del­beer­ku­ren sind in der Volks­heil­kun­de ein neben­wir­kungs­frei­es Mit­tel, um Kin­der und Erwach­se­ne von Spul- und Maden­wür­mern zu befrei­en. Dr. Ernst Schnei­der berich­te­te in den 1960er-Jah­ren von gro­ßen Erfol­gen an einer Uni­ver­si­täts-Kin­der­kli­nik in Hel­sin­ki. Den Kin­dern gab man an drei Tagen hin­ter­ein­an­der nur fri­sche Bee­ren oder Hei­del­beer­kom­pott, etwas Milch und nach Belie­ben Was­ser (1985).

Im Gegen­satz zur Anwen­dung der Bee­ren bei Durch­fall­erkran­kun­gen befür­wor­tet die Kom­mis­si­on E die Anwen­dung der Hei­del­beer­blät­ter nicht. Die­se wer­den tra­di­tio­nell zur unter­stüt­zen­den Behand­lung bei Dia­be­tes mel­li­tus ange­wandt und manch­mal auch als »pflanz­li­ches Insu­lin« bezeich­net. Sie stel­len zwar kei­ne Alter­na­ti­ve zur kon­ser­va­ti­ven Dia­be­tes­the­ra­pie dar, kön­nen aber vor allem im Anfangs­sta­di­um durch­aus hilf­reich sein. Auch als harn­trei­ben­des Mit­tel, bei Rheu­ma, Gicht, Durch­blu­tungs­stö­run­gen und Hautund Hämor­rhoi­da­l­er­kran­kun­gen wer­den sie tra­di­tio­nell angewandt.

Kuli­na­rik

Hei­del­beer­spe­zia­li­tä­ten sind nicht nur frisch geges­sen ein gesun­der Genuss. Roh har­mo­nie­ren sie gut mit Joghurt oder Quark­spei­sen. Häu­fi­ger wer­den die Früch­te jedoch zu Mus oder Mar­me­la­de gekocht, um damit Waf­feln, Pfann­ku­chen, Kuchen oder Muf­fins zu fül­len. Wer Astrid Lind­grens Geschich­ten vom Michel aus Lön­ne­ber­ga gele­sen hat, kennt auch die schwe­di­sche Hei­del­beer­sup­pe. Im Ent­saf­ter erge­ben die Bee­ren einen tief­ro­ten Saft; wer jedoch die fruch­tig-süf­fi­ge alko­ho­li­sche Vari­an­te bevor­zugt, kann aus Bee­ren, Zucker, Was­ser und einer Fla­sche Korn auch einen tief­ro­ten Likör herstellen.

Die voll­rei­fen Früch­te soll­ten nicht län­ger als eini­ge Tage auf­be­wahrt wer­den, da sich schnell Schim­mel ent­wi­ckeln kann.

Heil­re­zep­te

Tee aus getrock­ne­ten Hei­del­bee­ren zur beschleu­nig­ten Wund­hei­lung: 1 bis 2 EL getrock­ne­te Hei­del­bee­ren mit 150 ml Was­ser 10 bis 15 Minu­ten kochen, danach absei­hen. Ein- bis drei­mal täg­lich 1 Tas­se frisch berei­te­ten Tee trin­ken. Alter­na­tiv Kalt­ansatz mit zwei­stün­di­gem Quel­len­las­sen der Bee­ren in kal­tem Was­ser. Der erkal­te­te bzw. kör­per­war­me Tee kann auch als Gur­gel­lö­sung ver­wen­det wer­den. Die Tages­do­sis beträgt für Erwach­se­ne und Jugend­li­che 20 bis 60 g, bei Kin­dern über 4 Jah­ren 15 bis 20 g, bei Klein­kin­dern 10 bis 15 g und bei Säug­lin­gen 5 bis 10 g.

Getrock­ne­te Hei­del­bee­ren bei Durch­fall­erkran­kun­gen: Die rei­fen Früch­te sam­meln und zum Vor­trock­nen auf einem fei­nen Git­ter­rost aus­brei­ten. Nach dem Anwel­ken ent­we­der die Rest­wär­me eines Kachel­ofens nut­zen oder sie im Back­ofen bei 50 Grad oder im Dörr­au­to­ma­ten fer­tig trock­nen. Mehr­mals täg­lich eini­ge Bee­ren gut kauen.

Hei­del­beer­tink­tur: Hei­del­bee­ren im Ver­hält­nis 1:6 mit Brannt­wein anset­zen. Min­des­tens 14 Tage, bes­ser 4 Wochen zie­hen las­sen, danach absei­hen. 10 bis 25 Trop­fen in Was­ser ver­dünnt einnehmen.

Schwarz­beer­wein nach Mau­rice Mes­sé­gué zur Rege­ne­ra­ti­on der Seh­fä­hig­keit und zum Schutz der Blut­ge­fä­ße: 2 Hand­voll der getrock­ne­ten Früch­te in etwas Was­ser auf­ko­chen, nach 15 Minu­ten ½ l Rot­wein hin­zu­fü­gen, noch 5 Minu­ten auf klei­ner Flam­me wei­ter­ko­chen. 2 bis 3 klei­ne Glä­ser täglich.

Hei­del­beer­blät­ter-Tee zur Unter­stüt­zung bei Dia­be­tes mel­li­tus und als harn­trei­ben­des Mit­tel: In den Som­mer­mo­na­ten die Blät­ter von den Zwei­gen strei­fen und an einem luf­ti­gen und schat­ti­gen Ort trock­nen. Etwa 2 TL der Blät­ter mit ¼ l kal­tem Was­ser über­gie­ßen, 8 bis 10 Stun­den zie­hen las­sen. 2 bis 3 Tas­sen täg­lich. Die Blät­ter­zu­be­rei­tung nicht mehr als 8 Tage und maxi­mal 5‑mal pro Jahr anwenden.

Han­dels­prä­pa­ra­te

Hei­del­beer­blät­ter, Myr­til­li Foli­um (Apo­the­ke)
Hei­del­beer­blät­ter­tee (Bom­bas­tus-Wer­ke)
Getrock­ne­te Hei­del­bee­ren (Bom­bas­tus-Wer­ke; Sonnentor)
Hei­del­beer­saft (Axi­sis, Beu­tels­ba­cher, Biot­ta, Donath-Kel­te­rei, Rabenhorst)
Augen­schutz­kap­seln (Salus) zur Vor­beu­gung von Nachtblindheit

Homöo­pa­thie

Urtink­tur: Vac­ci­ni­um myrt­il­lus (Spa­gy­ros; Stau­fen Phar­ma; Dro­ge­rie zum Chrü­ter­hüs­li, Basel)
Myrt­il­lus Glo­bu­li (Archea, Stau­fen Pharma)
Rubus spe­zi­al Nr. 15 zur beglei­ten­den Blut­zu­cker­re­gu­lie­rung (Nest­mann)

Hin­wei­se

Bei Durch­fall­erkran­kun­gen, die län­ger als drei bis vier Tage anhal­ten, soll­te medi­zi­ni­scher Rat ein­ge­holt wer­den. Der hohe Gerb­stoff­ge­halt kann zu einer ver­schlech­ter­ten Auf­nah­me von zusätz­lich ver­wen­de­ten Arz­nei­mit­teln füh­ren, des­we­gen soll­ten getrock­ne­te Hei­del­bee­ren nicht zeit­gleich mit ande­ren Arz­nei­mit­teln ein­ge­nom­men wer­den. Zube­rei­tun­gen aus Hei­del­beer­blät­tern nicht in der Schwan­ger­schaft und Still­zeit und bei Kin­dern unter zwölf Jah­ren anwenden.

zitiert nach: Clau­dia Rit­ter: Hei­mi­sche Nah­rungs­pflan­zen als Heil­mit­tel. Gemü­se, Früch­te und Getrei­de – von Acker­boh­ne bis Zwie­bel Pflan­zen­kun­de, Heil­an­wen­dun­gen und Rezep­te. AT Ver­lag, Aar­au und Mün­chen, Dez. 2013.

9 Kommentare zu „Hei­del­beer­zwei­ge gehö­ren nicht in Blumensträuße“

  1. Dann dür­fen gar kei­ne Blu­men mehr ver­kauft wer­den, weil alle Blu­men Heil­kräu­ter sind ‚wegen den sekun­dä­ren Inhalts­stof­fen. Aber ver­bie­ten ist immer gut in Berlin ?

  2. ich hat­te Dr. Det­lev Met­zing vom Bun­des­amt für Natur­schutz tele­fo­nisch zu die­sem The­ma befragt:
    * Blu­men­händ­ler dür­fen in Deutsch­land Blu­men pflü­cken. Es gilt die soge­nann­te Hand­strauß­re­ge­lung. Es dür­fen dann also kei­ne Mas­sen an bestimm­ten Blu­men sein.
    * Frau­en, die z.B. Mai­glöck­chen­sträu­ße aus dem Wald ver­kau­fen sind gewerb­lich tätig. Sie dür­fen ohne Geneh­mi­gung kei­ne Mai­glöck­chen ver­kau­fen! Wer also auf der Stra­ße sol­che Sträuß­chen kauft, soll­te nach der gewerb­li­chen Geneh­mi­gung fra­gen und sich die­se zei­gen las­sen. Liegt die­se nicht vor, ist der Ver­kauf nicht in Ordnung.
    * ehr­lich gesagt, glau­be ich nicht, dass Hei­del­bee­ren in Gewächs­häu­sern gezo­gen wer­den, da ist der Ver­dienst zu gering. Aber das ist eine Fra­ge für eine ande­re Recherche.
    * bei uns geschütz­te Pflan­zen dür­fen nicht in Blu­men­sträu­ßen ver­kauft wer­den. Kommt die Ware aller­dings z.B. aus Polen, so spie­len die Geset­ze des Bun­des­na­tur­schut­zes kei­ne Rol­le — sie wer­den also unterwandert.
    * wem die­ses The­ma am Her­zen liegt, soll­te die Rote Lis­te der gefähr­de­ten Pflan­zen stu­die­ren. Sie wird vom BfN her­aus­ge­ge­ben. Die alte Lis­te ist von 1996
    https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/RoteListePflanzen.pdf
    die neue Lis­te kommt Ende 2017 heraus.

  3. habe ich noch nie pro­biert. Kann ich nichts drü­ber sagen. Ver­suchs doch ein­fach mal und lass etwas von dei­nen Erfah­run­gen hören oder lesen 🙂

  4. kann mann wenn man einen strauss gekauft hat wo hei­del­beer­grün als bei­werk dabei war,dieses bewur­zeln lassen?

  5. ich woh­ne in Ber­lin. Im Gru­ne­wald gibt es Hei­del­beer­ge­bie­te im Wald und die wer­den berupft von Men­schen, die die Hei­del­beer­zwei­ge ver­kau­fen. Das glei­che gilt für Mai­glöck­chen oder Wald­meis­ter, die dann z.B. an U‑Bahnen in klei­nen Sträuß­chen ver­kauft wer­den, um ein wenig Geld zu ver­die­nen. Denn meis­tens han­delt es sich um Men­schen, die gerin­ge Ein­kom­men haben. Die klei­nen Sträuß­chen fin­den immer Abneh­me­rin­nen, weil sie meis­tens viel bil­li­ger sind als in den Blumenläden.

    Ich bin froh zu lesen, dass Hei­del­bee­ren ent­we­der selbst ange­baut wer­den (habe aber noch nie wel­che in Gärt­ne­rei­en gese­hen — aber das will ich hier nicht in Zwei­fel zie­hen) oder von Plan­ta­gen kom­men (auch sol­che Plan­ta­gen habe ich noch nicht gesehen).

    Auch wenn dies so sein soll­te, fin­de ich, dass Heil­pflan­zen — und Hei­del­bee­ren sind Heil­pflan­zen nichts in Blu­men­sträu­ßen zu suchen haben! Genau­so­we­nig wie Zimt in Weih­nachts­ge­de­cken oder ‑Sträu­ßen! Nur weil die­se Heil­pflan­zen z.B. in Asi­en zu Dum­ping­prei­sen gehan­delt wer­den, müs­sen die­se wich­ti­gen Roh­stof­fe nicht zur Deko die­nen. Heil­pflan­zen die­nen der Gesund­heit. Wir soll­ten sie Wert schät­zen und nicht zweckentfremden.

  6. Bin Aus­zu­bil­den­de flo­ris­tin und es ist echt quatsch. Da es ein­ge­kauft wird oder Selbst ange­baut wird all­so kommt aus dem gewächshaus

  7. BLÖDSINN !!!!
    Die Geschäf­te gehen nicht in den Wald und rup­fen.… Bei Moos oder Hei­del­beer­zwei­ge oder ande­ren hei­mi­schen Sachen.…( Zwei­ge, Ahorn­stab etc…) müs­sen die Geschäf­te bele­gen, das es gekauft wur­de, dient dazu, den Raub­bau in der Natur ein­zu­däm­men. Die Blau/Heidelbeerzweige kom­men von Plantagen.…

  8. War­um dür­fen Blu­men­lä­den dann sol­che Pflan­zen ver­kau­fen? Es ist doch sicher ver­bo­ten, die­se im Wald zu pflü­cken, so wie auch wild­wach­sen­des Moos. Oder wer­den viel­leicht gezüch­te­te Pflan­zen Verwender?

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