Rote Lis­te gefähr­de­ter Pflan­zen im Dezem­ber 2018 her­aus­ge­ge­ben

Lin­den­blü­ten: Bie­nen­wei­de ohne Bie­nen

Anfang Dezem­ber 2018 wur­de vom Bun­des­amt für Natur­schutz eine Ände­rung der Roten Lis­ten gefähr­de­ter Pflan­zen her­aus­ge­ge­ben. 13.904 behei­ma­te­te Arten, die in Deutsch­land behei­ma­tet sind, wur­den auf ihre Gefähr­dung unter­sucht: 40 Pro­zent sind gefähr­det! [1]

Als Gefähr­dungs­ur­sa­chen wer­den Stand­ort­zer­stö­rung ange­ge­ben wie z.B. Bau­maß­nah­men von Stra­ßen, Sied­lun­gen, Indus­trie­stand­or­ten. Ein wei­te­rer wesent­li­cher Fak­tor ist die land­wirt­schaft­li­che Nut­zung: Die Inten­si­vie­rung der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zungs­flä­chen von Grün- und Acker­land. Auch die Forst­wirt­schaft hat die wirt­schaft­li­che Nut­zung extrem vor­an­ge­trie­ben: Anbau stand­ort­frem­der Nadel­höl­zer oder nicht hei­mi­scher Baum­ar­ten. Oder Auf­bau von Mono­kul­tu­ren, Zer­stö­rung von Mager­ra­sen, Bin­nen­dü­nen, Offen­land­flä­chen — letz­te­re sind wich­ti­ge Stand­or­te für Wild- und Heil­pflan­zen.

Trotz­dem 40 Pro­zent der behei­ma­te­ten Arten in Deutsch­land gefähr­det sind, tut die Poli­tik nichts. Wei­ter­hin wird an den Kon­zep­ten der inten­si­ve betrie­be­nen Land- wie Forst­wirt­schaft, der Zer­sie­de­lung des Lan­des fest­ge­hal­ten.

Auf der Sei­te des Bun­des­am­tes für Natur­schutz wird erklärt, “obwohl bun­des­weit bei Pflan­zen kei­ne gene­rel­le Ent­schär­fung der Gefähr­dungs­si­tua­ti­on ein­ge­tre­ten ist, begin­nen Schutz­maß­nah­men Erfol­ge zu erzielen.….Erfolge gibt es auch durch För­de­rungs­maß­nah­men, wie z. B. bei der Erhal­tung von Acker­wild­kräu­tern durch Acker­rand­strei­fen­pro­gram­me.”

Hat jemand schon ein­mal die­se Ackers­rand­strei­fen­pro­gram­me gese­hen? Es sind zwei Meter brei­te Rän­der von ansons­ten Mono­kul­tu­ren, wor­auf Son­nen­blu­men oder Korn- wie Mohn­blu­men ange­baut wer­den. Aller­dings fin­det sich dort kei­ner­lei Leben, denn die Insek­ten, Bie­nen, die sonst sol­che Pflan­zen bevöl­kern gibt es nicht mehr. Was nüt­zen also sol­che Maß­nah­men, wenn die Kleinst­le­be­we­sen längst tot sind, oder die Gewäs­ser wegen der hohen Nitrat­dich­te kei­ner­lei Leben mehr zulas­sen? Ein Bei­spiel wird auf der Web­site gleich in der Pres­se­mit­tei­lung selbst gege­ben: “Flüs­se und Bäche sol­len wie­der lebens­wer­ter für Fische wer­den…” heisst es da. Trop­fen auf heis­sen Stei­nen. Umwelt­schutz und Schutz­maß­nah­men nach dem Gieß­kan­nen­prin­zip. Lei­der feh­len Kon­zep­te, die inein­an­der­grei­fen und die föde­ra­lis­tisch geför­dert wer­den, um auch gro­ße Flä­chen schaf­fen zu kön­nen.

Da lobe ich mir Initia­ti­ven von Län­dern wie Thü­rin­gen, die, wie kürz­lich gesche­hen, per Beschluss des Thü­rin­ger Land­ta­ges die Aus­wei­sung des Grü­nen Ban­des als Natio­na­les Natur­mo­nu­ment Thü­rin­gens beschlie­ßen (sie­he Bericht). Wären doch die Poli­ti­ker noch ande­rer Bun­des­län­der so beherzt und mutig!

Quel­len:

[1] Rote Lis­te: Bun­des­amt für Natur­schutz

Gly­pho­sat: Welt­weit am häu­figs­ten ein­ge­setz­tes Her­bi­zid ist krebs­er­re­gend

Gly­pho­sat, ein Unkraut­ver­nich­ter und Natur­kil­ler

Ein Gedanke zu „Rote Lis­te gefähr­de­ter Pflan­zen im Dezem­ber 2018 her­aus­ge­ge­ben“

  1. **********BUND-Pres­se­mit­tei­lung vom 05. Dezem­ber 2018*************

    ++ Rote Lis­te der Pflan­zen ist Offen­ba­rungs­eid ver­fehl­ter Agrar-und Gewäs­ser­po­li­tik. BUND for­dert Stopp des Tods auf Raten ++

    Ber­lin: Anläss­lich der heu­ti­gen Ver­öf­fent­li­chung der Roten Lis­te der gefähr­de­ten Pflan­zen durch das Bun­des­amt für Natur­schutz (BfN) ruft der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) die Bun­des­re­gie­rung zu ent­schlos­se­nem Han­deln auf. „Ohne eine dras­ti­sche Ände­rung der Agrar­po­li­tik in Brüs­sel und fun­dier­tem Gewäs­ser­schutz in Deutsch­land bleibt die Lage dra­ma­tisch“, betont der BUND-Vor­sit­zen­de Hubert Wei­ger. „Ins­be­son­de­re die ange­kün­dig­te Acker­bau­stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung muss einen wesent­li­chen Bei­trag zur Ret­tung der bota­ni­schen Lebens­grund­la­gen leis­ten.“

    Für den Rück­gang von fast der Hälf­te der Rote-Lis­te-Arten ist Über­dün­gung die wesent­li­che Ursa­che. Ins­be­son­de­re die Gewäs­ser sind mit zu vie­len Nähr­stof­fen belas­tet. Dies führt dazu, das bei­spiels­wei­se über die Hälf­te der Zier­al­gen­ar­ten als gefähr­det gel­ten. „Die Land­wirt­schafts­po­li­tik muss sich zu ihrer beson­de­ren Ver­ant­wor­tung für die von ihr abhän­gen­den Arten beken­nen und end­lich aktiv Arten­schutz betrei­ben“, so Wei­ger wei­ter. „Die Ein­füh­rung eines zehn Meter brei­ten Gewäs­ser­rand­strei­fens zum Schutz unse­res Was­sers ist hier­zu ein unver­zicht­ba­rer ers­ter Schritt.“

    Aus Sicht des BUND gel­te es jetzt die Gefähr­dungs­ur­sa­chen stär­ker zu bekämp­fen, die seit 1998 weit­ge­hend unver­än­dert geblie­ben sei­en. So müs­se die wei­ter vor­an­schrei­ten­de Ver­nich­tung von wert­vol­len Lebens­räu­men, der immense Ein­satz von Pes­ti­zi­den und die Über­dün­gung von Äckern, aber auch die man­gel­haf­te Betreu­ung bestehen­der Schutz­ge­bie­te und der fal­sche Umgang mit Hot Spots der Arten­viel­falt, gestoppt wer­den. „Der Ein­satz von Total­her­bi­zi­den ver­bie­tet sich mit der aktu­el­len Dia­gno­se der Roten Lis­te eigent­lich von selbst. Zum Schutz gefähr­de­ter Pflan­zen muss die Men­ge an Pes­ti­zi­den dras­tisch redu­ziert wer­den. Beson­ders gefähr­li­che Stof­fe haben in unse­rer Umwelt nichts zu suchen. Nur so ist der Arten­ver­lust in den nächs­ten Jah­ren zu brem­sen“, hob Wei­ger her­vor.

    CDU/CSU und SPD haben mit der Vor­stel­lung der Roten Lis­te die Chan­ce, den Tod auf Raten selbst ehe­mals häu­fi­ger Arten zu ver­hin­dern. „Run­ter von der Brem­se“, appel­liert Wei­ger an die Bun­des­re­gie­rung. „Wer die Bewah­rung der Schöp­fung und den Erhalt der Bio­lo­gi­schen Viel­falt ernst nimmt, muss jetzt aktiv wer­den und eine ambi­tio­nier­te Acker­bau­stra­te­gie und eine grund­le­gen­de Reform der EU-Agrar­po­li­tik ermög­li­chen. Für uns steht fest, dass es im Rah­men der GAP-Refor­men öffent­li­ches Geld nur noch für öffent­li­che Leis­tung geben darf. Der Agro­in­dus­trie muss der Geld­hahn zu gedreht wer­den, länd­li­che Struk­tu­ren müs­sen gestärkt wer­den.“

    Posi­tiv hob der BUND her­vor, dass der effek­ti­ve Natur- und Arten­schutz der letz­ten zehn Jah­re ers­te Ergeb­nis­se zei­ge. „Kon­se­quen­ter Umwelt­schutz der zum Rück­gang der Schwe­fel­emis­sio­nen führ­te, hat für vie­le Pflan­zen­ar­ten wesent­li­che Erleich­te­rung gebracht. Zahl­rei­che loka­le Pro­jek­te wie die Wie­sen­meis­ter­schaf­ten des BUND Natur­schutz in Bay­ern oder die Schutz­äcker für die Viel­falt zei­gen vor Ort, was grund­sätz­lich mög­lich ist“, erklärt Magnus Wes­sel, BUND-Natur­schutz­ex­per­te. „Der Schutz von Arten in der Agrar­land­schaft muss aber ver­stärkt und finan­zi­ell soli­de aus­ge­stat­tet wer­den, damit aus den Ein­zel­fäl­len ein Trend wird, der wei­ter dro­hen­de Arten­ver­lus­te ver­hin­dert.“

    Der dra­ma­tisch schlech­te Zustand vie­ler Pflan­zen­ar­ten ist dabei nicht iso­liert zu betrach­ten. „Die Kri­se der Pflan­zen ist auch die Grund­la­ge der Kri­se der Insek­ten“, so Wes­sel. „Ins­be­son­de­re Acker­wild­kräu­ter haben eine wich­ti­ge Funk­ti­on in den Agrar­öko­sys­te­men. Sie stel­len Pol­len, Nek­tar und Samen für ver­schie­dens­te Tier­ar­ten bereit, die einer Viel­zahl von Nütz­lin­gen in der Acker­kul­tur zugu­te­kom­men.“

    Hin­ter­grund:
    Die Roten Lis­ten beschrei­ben die Gefähr­dungs­si­tua­ti­on der Tier‑, Pflan­zen- und Pilz­ar­ten in unse­rem Land. Sie wer­den alle zehn Jah­re unter Feder­füh­rung des Bun­des­am­tes für Natur­schutz (BfN) zusam­men mit zahl­rei­chen ehren­amt­li­chen Exper­tin­nen und Exper­ten erar­bei­tet. Der BUND hat die Erstel­lung durch zahl­rei­che Daten der in ihm orga­ni­sier­ten Spe­zia­lis­ten unter­stützt.

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