Tabak: Weltweit verbreitete Droge

8. August 2012
Tabak (Nicotiana rustica)

Tabak (Nico­tia­na rusti­ca)

Tabak gehört zu den Nacht­schat­ten­ge­wäch­sen. Ursprüng­lich stammt sie vom ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent und wur­de von dort aus über die Welt ver­brei­tet. Es gibt zwei Arten: Die rosa blü­hen­de Nico­tia­na taba­cum oder die gelb­blü­hen­de Nico­tia­na rusti­ca. Der Anpas­sungs­fä­hig­keit der Tabak­pflan­zen ist ihre Ver­brei­tung zu ver­dan­ken: Sie wächst unter unter­schied­lichs­ten kli­ma­ti­schen — oder Boden­be­din­gun­gen fast über­all.

Auf dem nord- wie süd­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent wur­de Tabak auch medi­zi­nisch genutzt. Von den india­ni­schen Bevöl­ke­rungs­grup­pen bezie­hungs­wei­se ihren Hei­lern wur­de Tabak reli­gi­ös-ritu­ell ver­wandt. So wur­de Tabak bei­spiels­wei­se ver­wen­det, um die Göt­ter gnä­dig zu stim­men. Oder damit Geis­ter oder Dämo­nen zu ent­fer­nen. Die Hei­lungs­pro­ze­dur wur­de durch ver­schie­de­ne Tech­ni­ken durch­ge­führt:

  • durch Auf­le­gen von fri­schen Tabak­blät­tern (auch gekaut) auf Wun­den
  • Kran­ke wur­den mit Tabak­rauch ange­bla­sen
  • Hei­ler benutz­ten hohe Dosen von Tabak, um in tran­ce­ar­ti­gem Zustand, die Erkran­kung des Betrof­fe­nen zu ergrün­den und Hei­lungs­we­ge über­mit­telt zu bekom­men
  • auch das Trin­ken von Tabak­was­ser soll qua­si als Stär­kungs­mit­tel gegen Erkran­kun­gen gedient haben

Tabak­blü­te (Nar­co­tia­na rusti­ca)

Als Kolum­bus 1492 Ame­ri­ka ent­deck­te, rauch­te die mit­tel­ame­ri­ka­ni­sche und süd­ame­ri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung Zigar­ren und Ziga­ret­ten als Genuss­mit­tel. Als sol­ches wur­de Tabak dann im 16. Jahr­hun­dert in Euro­pa ein­ge­führt. Tabak wur­de geraucht (aus­schließ­lich mit einer Pfei­fe) oder geschnupft. In man­chen euro­päi­schen Län­dern wur­de Tabak “getrun­ken” mit Hil­fe einer Was­ser­pfei­fe.

Im 17. und 18. Jahr­hun­dert wur­de das “Toback schmau­chen” ger­ne zur Anre­gung geis­ti­ger Tätig­kei­ten ver­wen­det. Denn das Rau­chen, so die dama­li­ge Ansicht, “erwe­cke und för­de­re geis­ti­ge Tätig­kei­ten”. Zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts kam die Ziga­ret­te auf. Der lang­wie­ri­ge Pro­zess des Vor­be­rei­tens einer Pfei­fe zum Rau­chen war damit been­det. Mit der gebrauchs­fer­ti­gen Ziga­ret­te ver­än­der­te sich das Rauch- und auch Genuss­ver­hal­ten. Heut­zu­ta­ge dient das Ziga­ret­te rau­chen kaum zur Ver­bes­se­rung der Kon­zen­tra­ti­on. Tabak rau­chen wird meis­tens nur noch mit kurz­le­bi­gem Genuss ver­bun­den. Die welt­wei­te Ver­brei­tung die­ses Genus­ses und der Niko­tin­ab­hän­gig­keit hat volks­wirt­schaft­li­che Fol­gen: Durch Stu­di­en ist heu­te ein­deu­tig belegt, dass Lun­gen­krebs durch Rau­chen ver­ur­sacht wird.

Quel­le: Völ­ger, Gise­la (Hrsg.): Rausch und Rea­li­tät. Dro­gen im Kul­tur­ver­gleich. Schrif­ten­rei­he Eth­no­lo­gi­ca, im Auf­trag der Gesell­schaft für Völ­ker­kun­de. 1981. Rau­ten­strauch-Joest-Muse­um Köln. S. 208 ff.

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7 Kommentare zu „Tabak: Weltweit verbreitete Droge“

  1. uwe sagt:

    der Hin­weis auf die wirt­schaft­li­chen Fol­gen müss­te stär­ker sein. Denn es wer­den Mil­li­ar­den welt­weit dafür aus­ge­ge­ben, den Lun­gen­krebs zu bekämp­fen. Will sagen, die Kos­ten der Schä­di­gung durch das Rau­chen sind gigan­tisch und schä­di­gen die Volks­wirt­schaf­ten! Meis­tens erfolg­los, Leu­te mit Lun­gen­krebs ersti­cken elen­dig­lich. Lei­der hat die Tabak­in­dus­trie immer noch viel Macht. Gera­de vor ein paar Tagen hat die aus­tra­li­sche Regie­rung den Vor­stoss gewagt, dass Ziga­ret­ten­schach­teln nur noch in ein­heit­li­cher Far­be ver­kauft wer­den dür­fen. Die Ziga­ret­ten­kon­zer­ne sind sau­er, weil sie Mil­li­ar­den aus­ge­ge­ben haben, um Mar­ken auf­zu­bau­en mit denen sie dann Wer­bung trei­ben. Das wird noch span­nend wie sich das in den nächs­ten Jah­ren ent­wi­ckelt. Lei­der haben wir in Deutsch­land kei­ne funk­tio­nie­ren­de Anti-Ziga­ret­ten-Lob­by. In Eng­land sieht es da schon anders aus.

  2. lene sagt:

    die Leu­te wer­den doch extra süch­tig gemacht mit den Ziga­ret­ten. Kein Wun­der, dass immer noch so vie­le rau­chen! Das bes­te ist, damit gar nicht erst anzu­fan­gen. Ich fin­de rau­chen echt eke­lig, womit ich in unse­rer Klas­se ziem­lich allei­ne daste­he. Die meis­ten haben nach dem pro­bie­ren rich­tig ange­fan­gen. Irgend­wie gehört rau­chen dazu. Und wer nicht raucht gehört nicht dazu. Das kann zu einem Pro­blem wer­den und dann ist es ein­fa­cher auch zu rau­chen, weil es schö­ner ist dazu­zu­ge­hö­ren. Beim rau­chen wird gere­det, Zig­artt­ten geschnorrt. Ziem­lich viel fin­det rund um das rau­chen statt, fällt mir gera­de auf. Ich fin­de auch, Leh­rer soll­ten sich nicht dazu­stel­len zum rau­chen.

  3. Thilo sagt:

    zur Demo­kra­tie gehört, ande­ren ihre Ent­schei­dung selbst zu über­las­sen! Mir geht die­se gan­ze Gän­ge­lung ziem­lich auf die Ner­ven. Das Rau­chen ist ja schon über­all ver­bo­ten. Also was wollt ihr eigent­lich noch mehr? Das hat doch mit Demo­kra­tie nichts mehr zu tun. Ich rau­che, weil es mir schmeckt und weil es wun­der­bar ent­span­nend ist nach dem Essen zum Kaf­fee. Dar­auf wür­de ich nicht ver­zich­ten wol­len. Da ich mei­ne Mar­ke seit Jah­ren habe, wäre mir eine Ein­heits­pa­ckung auch egal.

  4. uschi sagt:

    lass sie doch rau­chen, sind doch ihre Lun­gen ;( mir ist das Rau­chen gründ­lich ver­gan­gen, seit­dem ich beim Ster­ben von mei­nem Opa dabei war. Zuletzt muss­te er beatmet wer­den mit Sauer­stoff, weils allei­ne nicht mehr ging. Die­ses Rin­gen um Luft war ent­setz­lich, irgend­wie ist er erstickt, das war schwer zu ertra­gen. Das vor Augen, war das Auf­hö­ren nicht schlimm.

  5. Marion Kaden sagt:

    Zusatz­stof­fe machen Ziga­ret­ten attrak­ti­ver. Sie über­de­cken eini­ge uner­wünsch­te Wir­kun­gen, wie zum Bei­spiel:

    den bit­te­ren und schar­fen Geruch des inha­lier­ten Rauchs über­de­cken,
    den inha­lier­ten Rauch abmil­dern und damit die atem­weg­rei­zen­de Wir­kung lin­dern,
    Fär­bung der Asche in eine weis­se Far­be
    oder das Aus­se­hen der Ziga­ret­te ver­bes­sern.

    Die Schwei­ze­ri­sche BAG kommt zum Schluss:
    Durch Zusatz­stof­fe wer­den Ziga­ret­ten attrak­ti­ver gemacht, der Ziga­ret­ten­kon­sum erhöht und damit die Wahr­schein­lich­keit, abhän­gig zu wer­den.
    Quel­le und Wei­te­res:
    http://www.bag.admin.ch/themen/drogen/00041/00618/13196/index.html?lang=de

  6. Marion Kaden sagt:

    Dies ist eine Pres­se­mel­dung vom Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum in der Helm­holtz-Gemein­schaft (Nr. 49), 3. Novem­ber 2015

    Tabakat­las Deutsch­land 2015: Neue Daten, neue Fak­ten

    Jähr­lich ster­ben 121.000 Men­schen in Deutsch­land an den Fol­gen des Rau­chens – somit sind 13,5 Pro­zent aller Todes­fäl­le auf das Rau­chen zurück­zu­füh­ren. Im Nor­den Deutsch­lands ster­ben mehr Men­schen an den Fol­gen des Rau­chens als im Süden. Die­se regio­na­len Unter­schie­de spie­geln das unter­schied­li­che Rauch­ver­hal­ten in den Bun­des­län­dern wider. In allen Bun­des­län­dern ster­ben mehr als dop­pelt so vie­le Män­ner wie Frau­en einen rauch­be­ding­ten Tod. Das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) legt mit dem Tabakat­las Deutsch­land 2015 zum zwei­ten Mal nach 2009 eine Zusam­men­fas­sung aktu­el­ler Daten und Fak­ten rund um den Tabak­kon­sum sowie der damit ver­bun­de­nen gesund­heit­li­chen Risi­ken und gesell­schaft­li­chen Fol­gen vor.

    Dr. Mar­ti­na Pötsch­ke-Lan­ger, Lei­te­rin der Stabs­stel­le Krebs­prä­ven­ti­on und des WHO-Kol­la­bo­ra­ti­ons­zen­trums für Tabak­kon­trol­le im DKFZ erklärt: „Der Tabakat­las zeigt, dass noch viel zu tun ist, um den hart erkämpf­ten Rück­gang des Rau­chens wei­ter vor­an­zu­trei­ben und die Tabak­kon­troll­po­li­tik vor den Inter­es­sen der Tabak­in­dus­trie zu schüt­zen.“

    Der Tabakat­las fasst unter ande­rem neu­es­te Daten zu regio­na­len und geschlechts­spe­zi­fi­schen Unter­schie­den im Tabak­kon­sum zusam­men und ana­ly­siert deren zeit­li­che Ver­än­de­rung. Die meis­ten Rau­cher­to­des­fäl­le unter bei­den Geschlech­tern fin­den sich in Bre­men und Ber­lin: Hier ster­ben 23 Pro­zent der Män­ner und 11 Pro­zent der Frau­en an den Fol­gen des Rau­chens. In Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern ster­ben die wenigs­ten Män­ner (17 und 18 Pro­zent) und in Sach­sen und Thü­rin­gen die wenigs­ten Frau­en (4 und 5 Pro­zent) an den Fol­gen ihres Rauch­ver­hal­tens.

    Wäh­rend das Rauch­ver­hal­ten der 25- bis 69-Jäh­ri­gen seit 2009 weit­ge­hend sta­bil blieb, san­ken die Rau­cher­an­tei­le unter jun­gen Erwach­se­nen und Min­der­jäh­ri­gen ste­tig. Gleich­zei­tig kamen elek­tro­ni­sche Inha­la­ti­ons­pro­duk­te wie E-Ziga­ret­ten und E-Shishas auf den Markt und neue Kon­sum­trends ent­stan­den. Die­se wur­den beson­ders von Jugend­li­chen ange­nom­men: So hat rund ein Drit­tel der 12- bis 17-Jäh­ri­gen bereits Was­ser­pfei­fe geraucht und ein Vier­tel hat E-Ziga­ret­ten aus­pro­biert.

    Die Ziga­ret­te ist und bleibt ein Gift­ge­misch, mit des­sen Kon­sum eine schwer­wie­gen­de Gesund­heits­ge­fähr­dung ein­her­geht. Die durch das Rau­chen ver­ur­sach­ten Krank­hei­ten umfas­sen vor­wie­gend Krebs, Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Atem­wegs­er­kran­kun­gen. Bei den Män­nern machen Krebs­er­kran­kun­gen 52 Pro­zent und bei den Frau­en 41 Pro­zent der tabak­be­ding­ten Todes­fäl­le aus. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de die Lis­te tabak­be­ding­ter Krank­hei­ten um sol­che wie Dia­be­tes-Typ-2, Erek­ti­ons­stö­run­gen, alters­be­ding­te Maku­la­de­ge­ne­ra­ti­on sowie Tuber­ku­lo­se und wei­te­re Krebs­ar­ten wie Leber- und Darm­krebs erwei­tert. Auch das im Tabak und in elek­tro­ni­schen Inha­la­ti­ons­pro­duk­ten ent­hal­te­ne abhän­gig machen­de Niko­tin ist im Licht aktu­el­ler For­schungs­er­geb­nis­se kei­ne harm­lo­se Sub­stanz. Niko­tin ist gif­tig und steht im Ver­dacht, chro­ni­sche Erkran­kun­gen wie Arte­rio­skle­ro­se und die Ent­ste­hung und das Vor­an­schrei­ten von Krebs zu för­dern sowie – wenn es wäh­rend der Schwan­ger­schaft kon­su­miert wird – lang­fris­tig und anhal­tend die Lun­gen- und Hirn­ent­wick­lung von Unge­bo­re­nen zu beein­träch­ti­gen.

    Rau­chen scha­det nicht nur der Gesund­heit, son­dern bedeu­tet auch für die All­ge­mein­heit eine hohe finan­zi­el­le Belas­tung. So kos­tet das Rau­chen in Deutsch­land die Gesell­schaft jähr­lich rund 80 Mil­li­ar­den Euro. Davon sind etwa ein Drit­tel Kos­ten für das Gesund­heits­sys­tem (direk­te Kos­ten) und zwei Drit­tel Kos­ten für die Volks­wirt­schaft durch Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le und Früh­ver­ren­tung (indi­rek­te Kos­ten).

    Das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum will mit dem Tabakat­las nicht nur Öffent­lich­keit und Medi­en den neu­es­ten Stand der Wis­sen­schaft näher brin­gen, son­dern auch auf Basis der vor­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger zum Han­deln ver­an­las­sen. Denn seit dem Jahr 2005 besteht das Rah­men­über­ein­kom­men der WHO zur Ein­däm­mung des Tabak­ge­brauchs, das auch für Deutsch­land völ­ker­recht­lich bin­dend ist. Den­noch hat Deutsch­land eini­ge der dar­in ent­hal­te­nen Maß­nah­men noch nicht oder nur unzu­rei­chend umge­setzt. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re regel­mä­ßi­ge deut­li­che Tabak­steu­er­erhö­hun­gen sowie ein umfas­sen­des Wer­be­ver­bot.

    Ver­säum­nis­se in der deut­schen Tabak­kon­troll­po­li­tik wer­den auch im Ver­gleich mit ande­ren euro­päi­schen Staa­ten sicht­bar: Seit Deutsch­land im Jahr 2007 das Bun­des- und kurz dar­auf die Lan­des­nicht­rau­cher­schutz­ge­set­ze ein­ge­führt hat, wur­den kei­ne wesent­li­chen Tabak­kon­troll­maß­nah­men mehr ver­ab­schie­det. So wur­de neben der deut­li­chen und regel­mä­ßi­gen Erhö­hung der Tabak­steu­er ver­säumt, ein umfas­sen­des Tabak­wer­be­ver­bot zu erlas­sen (euro­pa­weit erlau­ben nur Deutsch­land und Bul­ga­ri­en Tabak­wer­bung auf Pos­tern und Lit­faß­säu­len). Zudem besteht in der Gas­tro­no­mie im Nicht­rau­cher­schutz ein Fli­cken­tep­pich mit vie­len Aus­nah­men. Aus die­sem Grund beleg­te Deutsch­land im Jahr 2013 im Ran­king der euro­päi­schen Tabak­kon­troll­po­li­tik den vor­letz­ten Platz.
    wei­te­re Hin­wei­se: „Tabakat­las Deutsch­land 2015” http://www.tabakkontrolle.de