Brenn­nes­sel: Köni­gin der Heilpflanzen

Brennnessel
Wehr­haf­te Brennnessel

Wenn vie­le Men­schen wenig oder kei­ne Kennt­nis­se über Heil­pflan­zen haben, so haben die meis­ten schon mit der Brenn­nes­sel (Urti­ca Dioi­ca) Kon­takt gehabt. Der Kon­takt ist nicht ange­nehm, son­dern kann sogar ziem­lich schmerz­haft sein. Quad­deln, Jucken, Krat­zen kön­nen fol­gen. Damit hat die Heil­pflan­ze eine ein­drucks­vol­le Spur im zen­tra­len Ner­ven­sys­tem hin­ter­las­sen. Man­che Kin­der mei­den bis in ihr Erwach­se­nen­le­ben die Brenn­nes­sel. Das ist sehr scha­de, denn die Heil­pflan­ze hat unglaub­lich vie­le gesun­de und gesund­heits­för­der­li­che Kräf­te, wes­halb sie als die Köni­gin der Heil­pflan­zen gilt.

In die­sem Blog sind schon vie­le Bei­trä­ge zur Brenn­nes­sel geschrie­ben wor­den, wes­halb ich mich auf die Ver­wei­se beschrän­ke. So habe ich aus der Pflan­ze und ihren Wur­zeln einen Brenn­nes­sel-Sud gemacht, der bei dün­nen und aus­fal­len­den Haa­ren hilft. Ich habe es selbst aus­pro­biert und bin vom Ergeb­nis immer wie­der begeistert.

Brennnessel Flasche
Brenn­nes­sel-Sud

Nun im Herbst tra­gen die Brenn­nes­seln ihre Früch­te (kei­ne Samen!). Sie ent­hal­ten vie­le mehr­fach unge­sät­tig­te Fett­säu­ren, sind des­halb sehr gesund. Sie kön­nen pro­blem­los von den Ris­pen abge­zo­gen und auf einer sau­be­ren Unter­la­ge getrock­net wer­den. Die Früch­te bie­ten Kraft­nah­rung für den Win­ter (mehr: Brenn­nes­sel­früch­te: Urge­sund). Das Schö­ne: Die Brenn­nes­sel wächst über­all und ist nicht gefähr­det, wie vie­le ande­re Heilpflanzen.

Brenn­nes­sel als Gemüse
   Man kann die Brenn­nes­seln, bei denen man die zar­ten Köp­fe ver­wen­det, wie Spi­nat zube­rei­ten. Jedoch sei grund­sätz­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Gemü­se­was­ser nicht fort­ge­gos­sen wird. Man kann sämt­li­che Gemü­se­sor­ten mit wenig Was­ser gar dämp­fen und das Was­ser bei der Zube­rei­tung der Soße mit ver­wen­den. Bei Brenn­nes­seln kann man der­art vor­ge­hen, dass die Brenn­nes­seln wie Spi­nat gar­ge­dämpft wer­den und dann im Fleisch­wolf oder im Mix­ge­rät voll­stän­dig zer­klei­nert wer­den. Das Gar­dämp­fen der Gemü­se erfolgt in der Wei­se, dass man einen Stich Kokos­fett in den Topf gibt, dann wenig Was­ser hin­zu­fügt und den Topf mit einem Deckel gut ver­schließt. Nach­dem das Gemü­se zer­klei­nert und mit Salz abge­schmeckt ist, gibt man 1 bis 2 Ess­löf­fel Diä­san (sie­he unten) hinzu.
   Das Brenn­nes­sel­ge­mü­se schmeckt aus­ge­zeich­net, wenn man es zu glei­chen Tei­len mit dem eben­falls wild vor­kom­men­den Giersch oder Drei­blatt kombiniert.
   Es sei beson­ders dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei Ver­wen­dung der Wild­ge­mü­se oft der etwas her­be Geschmack als stö­rend emp­fun­den wird. Durch Zuga­be von reich­lich Diä­san (sie­he unten) nach dem Gar­dämp­fen der Gemü­se wer­den die­se Gerich­te sehr mil­de und schmackhaft.
   Bei den Zube­rei­tun­gen der gedämpf­ten Gemü­se­sor­ten wur­de im all­ge­mei­nen an gege­ben, dass die Gemü­se zweck­mä­ßig mit wenig Was­ser und unter Zuga­be von etwas Kokos­fett gedämpft wer­den sol­len. Die Haupt­men­ge des not­wen­di­gen Fet­tes soll erst zuletzt unmit­tel­bar vor dem Anrich­ten in Form von Diä­san (sie­he unten) zuge­ge­ben wer­den. Hat man einen Eta­gen­dampf­topf zur Ver­fü­gung, so kann man in die­sem die Gemü­se unter Ver­wen­dung von sehr wenig Was­ser gar­dämp­fen. Es erüb­rigt sich dann die Zuga­be von Kokos­fett, und man kann die in Dampf gegar­ten Gemü­se nach­träg­lich mit Diä­san (sie­he unten) oder einer Diä­­san-Soja­­lin-Tun­­­ke zubereiten.
   Anmer­kung: „Diä­san“ war ein in Kokos­öl gelös­tes halt­bar gemach­tes Lein­öl nach Dr. Bud­wig, ein frü­her in Reform­häu­sern erhält­li­ches diä­te­ti­sches Streichfett.
   zitiert nach: Johan­na Bud­wig: Krebs — Ein Fett­pro­blem. RIch­ti­ge Wahl und Ver­wen­dung der Fet­te. Hype­ri­on, Frei­burg, 1956.

Aus den jun­gen Blät­tern kann fri­scher Brenn­nes­sel-Tee selbst gemacht wer­den. Alle “Gesund­heits­apos­tel” von Pfar­rer Sebas­ti­an Kneipp und Johann Künz­le oder Maria Tre­ben loben die ein­hei­mi­sche Pflan­ze, die bis auf die Win­ter­mo­na­te nicht frisch zu haben ist, aufs Höchs­te. Natür­lich kön­nen Brenn­nes­sel­blät­ter, die nicht vom Insek­ten­fraß befal­len sind und mög­lichst jung sind gepflückt und getrock­net werden.

Brennnesseln für einen Tee
Brenn­nes­seln für einen Tee

Auch Brenn­nes­sel-Tee aus getrock­ne­ten Blät­ter hat gesund­heit­li­che Wir­kun­gen. Er wirkt ent­wäs­sernd, blut­bil­dend, ent­schla­ckend und vie­les, vie­les mehr. Brenn­nes­sel-Tee ist für Fas­ten­de ein Muss. Men­schen mit rheu­ma­ti­schen Erkran­kun­gen dient die Brenn­nes­sel z.B. als Zusatz für Voll­bä­der oder zur Reiz­the­ra­pie. Dabei wer­den abge­schnit­te­ne Sti­le auf die rheu­ma­tisch schmer­zen­den Stel­len geschla­gen (mehr: Brenn­nes­sel gut zur Haut­durch­blu­tung).

Der Ein­satz von der Brenn­nes­sel ist noch viel­fäl­ti­ger. Natür­lich gibt es extra Bücher dar­über. Eines davon: Brenn­nes­sel, Rezep­te für Vita­li­tät, Schön­heit und Gesund­heit. (Buch­be­spre­chung, bei Ama­zon kau­fen) Mit vie­len Rezep­ten, Anlei­tun­gen zum Bei­spiel für ein Brenn­nes­sel-Laven­del-Sham­poo usw.

Autorin
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 7. Sep­tem­ber 2019.
Bild­nach­weis
• Mari­on Kaden, Ber­lin, 2019.
• Karo­lin Bai­t­in­ger (unsplash.com, jFbSJT_V3ZU).
wei­te­re Infos
• Mono­gra­phie BGA/BfArM (Kom­mis­si­on E): Urti­cae her­ba (Brenn­nes­sel­kraut); Urti­cae foli­um (Brenn­nes­sel­blät­ter). Bun­des­an­zei­ger. 1987 Apr 23;76 (Voll­text).
• Mono­gra­phie BGA/BfArM (Kom­mis­si­on E): Urti­cae radix (Brenn­nes­sel­wur­zel). Bun­des­an­zei­ger. 1986 Sept 18.;173 (Voll­text).
• Mari­on Kaden: Wehr­haft und majes­tä­tisch: Die Brenn­nes­sel. natür­lich leben, 2008.
• Mari­on Kaden: Fas­ten mit Heil­kräu­ter­tees. Heilpflanzen-Welt.de, Janu­ar 2012.
• Mono­gra­phie Urti­ca dioi­ca et Urti­ca urens. In: Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel. Thie­me, Leip­zig, 1938 (Voll­text).

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