Heilpflanzengarten der Schreckse Izanuela

9. Februar 2014
Izanuelas geheimnisvolle Pflanzen

Iza­nue­las geheim­nis­vol­le Pflan­zen

Lese­tipp: Der Heil­pflan­zen­gar­ten der Schreck­se Iza­nue­la ist etwas Beson­ders. Ihr gehei­mes Reich befin­det sich im Kel­ler ihres leben­di­gen Hau­ses, wel­ches im Her­zen einer Schreck­sen­ei­che ein­ge­bet­tet ist. Der Baum­or­ga­nis­mus schafft die all­er­güns­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für einen Heil­pflan­zen­gar­ten, der kei­ner Wit­te­rung aus­ge­setzt ist,  son­dern mit ste­ti­ger Wär­me, Licht (Lava­wür­mer), Feuch­tig­keit und humus­lo­cke­ren­den Wür­mern ein Para­dies für Pflan­zen, Pil­ze und sons­ti­gen Wesen schafft. Die­ser Heil­pflan­zen­gar­ten ist ein fein erson­ner, gespon­ne­ner Gedan­ken­fa­den in der Geschich­te des “Schreck­sen­meis­ters” vom wort­ge­wal­ti­gen, pha­na­sie­be­gab­ten Autors Wal­ter Moers, mei­nem gegen­wär­ti­gen Lieb­lings­au­toren.

Bärlauchblüte

Bär­lauch­blü­te

Er muss sich zumin­dest ein wenig mit Heil­kräu­tern aus­ken­nen, was ihn mir noch sym­pa­thi­scher macht. Denn Iza­nue­la beherr­bergt neben gewöhn­li­chen Heil­pflan­zen, die auch wir ken­nen, zahl­lo­se Gewäch­se aus Zamo­ni­en, dem Land, in dem die Geschich­ten von Moers spie­len. Neben wil­den Rosen, Orchi­de­en, Far­nen oder Kak­te­en wächst auch Bär­lauch, Wald­meis­ter, Wachol­der, Laven­del, Schlaf­mohn, Pest­wurz, Sei­fen­kraut oder Ado­nis­rös­chen im Heil­kräu­ter­gar­ten. Die Brenn­nes­sel in Izau­el­sas Reich hat bei solch’ para­di­sie­schen Wachs­tum­be­din­gun­gen eine zehn­fa­che Brenn- bzw. Heil­wir­kung. Dort wach­sen eben­so uns unbe­kann­te Heil­kräu­ter wie Petro­si­lie, Gim­pel­gins­ter, Gespens­ter- und Gru­sel­gras, Dämo­nen­gins­ter oder so etwas Gräss­li­ches wie Blut­ro­tes Hen­ker­beil, Toten­trom­pe­ten oder Dros­sel­farn. Selbst­ver­ständ­lich besitzt die Schreck­se ent­spre­chen­des Wis­sen, um die­se Pflan­zen gedei­hen zu las­sen. So wur­de sie unter ande­rem mit dem Pokal des “Grü­nen Dau­mens von Was­ser­tal”, einer der begehr­tes­ten Aus­zeich­nun­gen Zamo­ni­ens für “flo­ris­ti­sche Bota­nik” gleich fünf­mal hin­ter­ein­an­der geehrt, wor­auf sie aus­ge­spro­chen stolz ist.

Adonisröschen

Ado­nis­rös­chen

Im “Ely­si­um für alles was Wur­zeln trägt”, wie die Schreck­se sel­ber sagt, wächst und gedeiht also alles bes­tens. Die Heil­pflan­zen lie­fern ihr Roh­stof­fe für Heil­mit­tel, die ein Viel­fa­ches an Heil­kraft unse­rer Heil­kräu­ter besit­zen. Das ist auch drin­gend nötig, denn die Hei­le­rin wohnt in der unge­sün­des­ten Stadt Zamo­ni­ens: Sled­waya. Die Men­schen, Tie­re, die dort am Fus­se des Zau­ber­schlos­ses vom Schreck­sen­meis­ter Eiß­pin leben, sind furcht­bar krank. Sie vege­tie­ren vor sich hin und lei­den an unzäh­li­gen Krank­hei­ten. Des­halb begrü­ßen sie sich auch mit “Ohwe­hoh­weh” und ver­ab­schie­den sich mit “Guter Bes­se­rung!”. Aber eigent­lich han­delt die Geschich­te vom Krätz­chen Echo. Ein Krätz­chen ähnelt im Aus­se­hen und Wesen einer Kat­ze, kann jedoch alle Spra­chen der Tie­re und Wesen spre­chen. Echo ist ein äußerst sel­te­nes Expem­plar, wes­halb ihn der unbarm­her­zi­ge Schreck­sen­meis­ter auch vor dem Hun­ger­tod ret­tet. Die bei­den schlie­ßen einen Ver­trag: Eiß­pin bekocht, unter­hält und belehrt das Krätz­chen meis­ter­lich einen Monat lang — bis zum nächs­ten Schreck­sen­voll­mond. Dann muss das Krätz­chen sein Leben las­sen, damit der böse Zau­be­rer sein Fett aus­ko­chen kann. Denn das Fett eines Krätz­chens fehlt ihm noch in sei­ner Samm­lung, wel­che die Krö­nung und Abschluss eines beson­de­ren alchi­mis­ti­schen Pro­zes­ses wer­den soll.

Waldmeister

Wald­meis­ter

In Echos Geschich­te geht es nicht nur um Gut und Böse, Leben, Krank­heit oder Tod, son­dern vor allem um die Lie­be. Neben der span­nen­den Ent­wick­lungs- und Bezie­hungs­ge­schich­te zwi­schen Echo und dem Schreck­sen­meis­ter wer­den vie­le wei­te­re Fäden gespon­nen, die wie bei allen Wer­ken von Moers schein­bar zusam­men­hang­los, dann im Nach­he­r­ein sinn­voll inein­an­der ver­wo­ben sind. Der Schreck­sen­meis­ter von Moers ist unglaub­lich lesens­wert, unter­halt­sam und mal wie­der in einer wun­der­schö­nen, phan­ta­sie­be­gab­ten und wort­rei­chen Spra­che geschrie­ben, die süch­tig macht. Moers hat eine gan­ze Rei­he von wun­der­sa­men Büchern geschrie­ben. Wer ihn noch nicht kennt hat, ist ein Glücks­pilz, denn sie/ er hat noch alles vor sich! Ich bin nun lei­der auf Ent­zug, denn mitt­ler­wei­le habe ich sämt­li­che Bücher von Moers gele­sen — das ist gera­de­zu schreck­sen­haft schreck­lich!

Moers, Wal­ter: Der Schreck­sen­meis­ter (ama­zon­link)

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