Liebermanns (Heilpflanzen)-Gärten

7. September 2014

 

Sicht auf Liebermann-Villa vom Wannsee aus

Sicht auf Lie­ber­mann-Vil­la vom Wann­see aus

Wie­der ein traum­haf­ter Sep­tem­ber­tag mit hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren. Der Wann­see mit sei­nen vie­len Mög­lich­kei­ten lockt. Eine davon: Ein Besuch in der Lie­ber­mann-Vil­la und sei­nem Gar­ten. Die Vil­la liegt direkt am Wann­see und läßt sich von der U-Bahn­sta­ti­on Wann­see leicht mit dem 114-Bus errei­chen. Es lohnt sich, früh zu kom­men. Denn ab Mit­tag kom­men zahl­lo­se Besu­cher, dann wird die Ruhe und Beschau­lich­keit der Gar­ten­an­la­ge emp­find­lich gestört. Ein Rund­gang.

Blumenumranktes Gartenhäuschen

Blu­men­um­rank­tes Gar­ten­häus­chen

Neben der Vil­la ließ Max Lie­ber­mann (1847–1935), ein deut­scher bekann­ter Maler des Impres­sio­nis­mus, ein “Gar­ten­häus­chen” bau­en. Hier­in befin­det sich heu­te die Kas­se und der Ein­gangs­be­reich in den Gar­ten. Das heisst genau­er in den hin­te­ren Gar­ten, der als Nutz­gar­ten vor­ge­se­hen war und heu­te noch ist. In dem Nutz­gar­ten befin­den sich sämt­li­che Pflan­zen, die frü­her zur tra­di­ti­ons­be­wuß­ten Küche gehör­ten: Rot-, Weiss-, Grün­kohl als Win­ter­ge­mü­se. Strauch- und Stan­gen­boh­nen, Sel­le­rie, Zwie­beln bei­spiels­wei­se. Wegen sei­ner sehr son­ni­gen Gar­ten-Lage gedei­hen sogar Arti­scho­cken und Toma­ten.

Der Nutzgarten

Der Nutz­gar­ten

Der Nutz­gar­ten ist zweck­mä­ßig ange­legt. Kla­re Bee­te in ein­heit­li­cher Grö­ße gehen von den zwei Wegen ab. Die Pflan­zen ste­hen ordent­lich, aku­rat und unkraut­frei. Dazwi­schen gibt es ver­schie­dens­te Obst­bäu­me: Ver­schie­de­ne Apfelsor­ten, Bir­nen und am Gar­ten­häus­chen rankt sogar Wein. Alfred Licht­wark (1852–1914), Direk­tor der Ham­bur­gi­schen Gemäl­de­ga­le­rie, selbst ethu­si­as­ti­scher Gar­ten­freund soll bei der Gar­ten­kon­zep­ti­on Pate gestan­den haben. Der Teil hin­ter der Vil­la ist also zweck­mä­ßig aus­ge­rich­tet: Zum Anbau von Nutz-, Heil­pflan­zen und Blu­men. Im Heil­pflan­zen­beet wach­sen Pfef­fer­min­ze, Thy­mi­an, Ros­ma­rin, Lieb­stö­ckel und Peter­si­lie bei­spiels­wei­se. Danach schließt sich der far­ben­präch­ti­ge Blu­men­gar­ten an, der den Cha­rak­ter eines Bau­ern­gar­tens hat. Die Bee­te sind von duf­ten­den Buchs­baum­he­cken umsäumt und beher­ber­gen alle denk­ba­ren Blü­ten- und Stau­den­pflan­zen. Nun zum spä­ten Som­mer domi­nie­ren die herbst­li­chen Blu­men das Bild: Leuch­ten­de Dah­li­en in allen Farb­schat­tie­run­gen, Herbst­as­tern leuch­ten den Besu­chern ent­ge­gen.

Hintere Ansicht der Villa mit den Blumenbeeten.

Hin­te­re Ansicht der Vil­la mit den Blu­men­bee­ten.

Frau­en­man­tel, Rosen feh­len eben­falls nicht. Die Blu­men sind noch mit herbst­li­chem Tau benetzt und von man­chen glän­zen­den Spinn­we­ben umwo­ben. Der Streif­zug durch den Bau­ern- und Nutz­gar­ten hat durch sei­ne “Gefan­gen­heit” mit Bäu­men und Sträu­chern, Bee­ten rings­um etwas Geschütz­tes, Hei­me­li­ges. Die Wege rechts und links von der Vil­la eröff­nen dann jeweils abhän­gig von wel­cher Sei­te gegan­gen wird, etwas kom­plett ande­res: Den Blick auf den Wann­see und davor dann einen eher reprä­sen­ta­ti­ven Gar­ten mit unter­schied­li­chen Facet­ten.

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Reprä­sen­ta­ti­ver Gar­ten­teil

Auf der lin­ken Sei­te lie­gen die drei Hecken­gär­ten. Im soge­nann­ten Lin­den­kar­re bil­den sorg­fäl­tig geschnit­te­ne Lin­den eine Art Bal­da­chin und damit  einen geschütz­ten Raum. Der sich anschlie­ßen­de “Ova­le Gar­ten” ist offe­ner und groß­zü­ger gestal­tet und von ver­schie­de­nen Blu­men­bee­ten mit Lili­en und Schmuck­kü­beln geprägt.

Der Heckengarten

Der Hecken­gar­ten

Zen­tra­ler Punkt des Rosen­gar­tens ist eine Son­nen­uhr. Die Hecken­gär­ten gehen inein­an­der über. An ver­steck­ten oder auch inner­halb der Sicht­ach­sen zum Wann­see hin ste­hen Sitz­bän­ke, die zum Ver­wei­len und Sin­nie­ren ein­la­den.

Das Gartenhäuschen am Wannsee mit Steganlage

Das Gar­ten­häus­chen am Wann­see mit Steg­an­la­ge

Danach eröff­net sich der freie Blick zum Wann­see. Am Ufer steht ein reet­ge­deck­tes Gar­ten­häus­chen und eine Steg­an­la­ge. Von dort aus kann der Wann­see in alle Rich­tun­gen ein­ge­se­hen wer­den: Gegen­über liegt das Wann­see­bad, ver­schie­de­ne Segel­yacht-Häfen rei­hen sich anein­an­der. Das Was­ser plät­schert und ein Ang­ler wirft gera­de sei­ne Angeln aus — alles ist sehr idyl­lisch und fried­lich. Das Ufer ist zum Teil schüt­zend umsäumt von Rohr­kol­ben-Schilf und Blut­wei­de­rich. Am Ende des Ufer­wegs steht eine alte ehr­wür­di­ge Trau­er­wei­de. Dann führt der Weg zurück über ein klei­nes Bir­ken­wäld­chen. Die Mit­tags­son­ne wirft male­ri­sche Licht­ke­gel auf den Weg — als wol­le sie zum impres­sio­nis­ti­schen Malen ein­la­den.

Birkenwäldchen

Das Bir­ken­wäld­chen

Lie­ber­mann ließ die Vil­la schon in fort­ge­schrit­te­nen Lebens­jah­ren nach sei­nen Vor­stel­lun­gen erbau­en. Er woll­te ein Refu­gi­um, um sich vom Ber­li­ner Stadt­le­ben und sei­ner reprä­sen­ta­ti­ven gesell­schaf­ti­chen Auf­ga­ben zurück­zie­hen zu kön­nen. Lie­ber­manns Rei­sen nach Ham­burg und der dor­tig Besuch der Vil­la der God­ef­freys soll ihn für sein eige­nes Haus am Wann­see inspi­riert haben. Im unte­ren Teil der Vil­la befin­det sich ein Café mit wun­der­schö­nem Blick auf den Wann­see. Auch ein klei­ner Infor­ma­ti­ons­raum über die Geschich­te der Vil­la ist vor­han­den.

Blutweiderich

Blut­wei­de­rich

Lie­ber­mann ent­stamm­te einer rei­chen jüdi­schen Tex­til­kauf­mann-Fami­lie. Ent­spre­chend schwie­rig war die künst­le­ri­sche Ent­wick­lung des jun­gen Lie­ber­manns, des­sen zeich­ne­ri­sche Talen­te zwar durch­aus geför­dert, jedoch als beruf­li­che Per­spek­ti­ve nicht ger­ne gese­hen wur­den. Lie­ber­mann muss­te erst einen Umweg gehen: Er stu­dier­te Che­mie und wur­de exma­ti­ku­liert, weil er kei­ner­lei Inter­es­se für das Fach auf­brach­te. Erst danach ermög­lich­te sein Vater ihm ein Kunst­stu­di­um. Durch das Bild die “Gän­s­erup­ferin­nen” wur­de er bekann­ter. Weil er sich jedoch der soge­nann­ten “Schmutz­ma­le­rei”, wid­me­te, also eher die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung dar­stell­te, fand er zunächst kei­ne Käu­fer für sei­ne Bil­der. Er ver­liess Deutsch­land ging zunächst nach Hol­land, dann nach Frank­reich. Dort lern­te er den Impres­sio­nis­mus ken­nen. Erst eini­ge Jah­re nach sei­ner Rück­kehr nach Deutsch­land begann er sei­nen Stil immer impres­sio­nis­ti­scher aus­zu­prä­gen. Mit die­sem neu­en Stil hat­te er Erfolg und wur­de zu einem belieb­ten und erfolg­rei­chen deut­schen Impres­sio­nis­ten.

Tautropfen auf einer Rose im Rosengarten

Tau­trop­fen auf einer Rose im Rosen­gar­ten

Die Stär­kung des Natio­nal­so­zia­lis­mus in den 40iger Jah­ren ver­folg­te Lie­ber­mann mit gro­ßer Besorg­nis und strik­ter Ableh­nung. Das Schick­sal war Lie­ber­mann gnä­dig. Er starb 1935 und somit wur­de ihm die Ver­schlep­pung in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger erspart. Sei­ne Frau Mar­tha nahm sich 81jährig das Leben, um The­re­si­en­stadt zu ent­ge­hen. Toch­ter und Enke­lin Lie­ber­manns waren recht­zei­tig in die USA emi­giert. Die Lie­ber­mann-Vil­la wur­de von den Natio­nal­so­zia­lis­ten kon­fi­ziert und an die Reichs­post über­ge­ben. Nach dem Krieg wur­de die Vil­la zu einem Kran­ken­haus umfunk­tio­niert. Durch die vie­len Jahr­zehn­te hat­ten sich Ver­fall breit gemacht, weder die Vil­la noch der Gar­ten waren in ihren Ursprün­gen erkenn­bar. Die 1995 gegrün­de­te Max-Lie­ber­mann-Gesell­schaft enga­gier­te sich für die Reno­vie­rung und Rekon­stru­ie­rung des Hau­ses wie auch des Gar­tens. Die Lie­ber­mann-Vil­la ist heu­te unter Denk­mal­schutz gestellt.

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